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25.07.2000

18:31 Uhr

Alle tun es: Die Autohersteller, die Chemiegiganten und die Luftfahrtindustrie. Alle haben erkannt, wie gewinnbringend Internet-Einkaufsgemeinschaften sein können.



Dabei sind die B2B-Plattformen eigentlich nur die Umsetzung einer alten Idee mit neuer Technik, denn den Trick, die Einkaufsmacht zu bündeln, um so günstigere Preise zu erzielen, kannte schon die Old-Economy. Schon oft haben gerade Automobilzulieferer über ihre schmalen Margen geklagt. Viele sind schon aus dem Markt ausgeschieden. Nur mussten früher Zulieferer mühsam abtelefoniert und Angebote einzeln eingeholt werden. Heute lehnt sich der Einkäufer zurück und schaut dabei zu, wie sich die Anbieter gegenseitig unterbieten.



So schön kann Wettbewerb sein - wenn man auf der richtigen Seite sitzt. Und das ist nun mal die Seite des Einkäufers. Wenn sich dann noch fast alle großen einer Branche zusammentun, wie im Fall von "Covisint", der Plattform der Automobilhersteller Ford, General Motors, Daimler-Chrysler und Renault/Nissan, dann wird es für die vereinzelten Zulieferer richtig hart.



Einst saß der Einkäufer am längeren Hebel, jetzt an der stärkeren Maus. Dafür, dass diese Maus nicht zu gefräßig wird, will jetzt das Bundeskartellamt sorgen. Ist das wirklich nötig? Von der Idee her sollen die B2B-Plattformen doch eigentlich wie ein perfekter Markt funktionieren der für Anbieter und Nachfrage Vorteile bringt. Und tatsächlich: Zunächst wird durch den Aufruf, an einer Auktion über das Internet teilzunehmen der mögliche Lieferantenkreis erweitert. Es können Wettbewerber zum Zuge kommen, die vorher vielleicht nie von einem Einkäufer angerufen worden wären.



Wenn dann die Auktion beginnt, muss eben jeder Bieter selbst entscheiden, bei welchem Gebot er aussteigt. Das ist kein Problem, solange es auch auf der Nachfrageseite einen Markt gibt. Unfair könnte das Verfahren aber dann werden, wenn ganze Branchen ihre Einkaufsmacht bündeln und die Zulieferer keine andere Chance haben, als mitzubieten.



Dann heißt es nämlich einer gegen alle - was in diesem Fall den Untergang der vielen kleinen bedeuten könnte, die sich in einem ruinösen Bietergefecht gegenseitig den Garaus machen. Die Zulieferindustrie ist in den vergangenen Jahren unter Rationalisierungsdruck geraten. Die großen Autokonzerne selbst haben angekündigt, bald würden sie nur noch die Produkte einer Handvoll Anbieter in Anspruch nehmen. Internetplattformen könnten diese Entwicklung beschleunigen. Gerade noch rechtzeitig hat sich nun Kartellamtspräsident auf die Seite der Zulieferer gestellt und unmißverständlich gewarnt: "Ein Kartell ist ein Kartell, auch im Internet."

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