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07.08.2000

18:15 Uhr

Eon

, das aus der Fusion von Veba und Viag entstanden ist, wächst zusammen - auf vielen Ebenen. Das ist ein mühsamer Prozess, der nicht ohne interne Turbulenzen vonstatten geht. Das junge Unternehmen, das sich gerade mit einer aufwendigen Werbekampagne das neue Image "Eon gleich Energie" gibt, steht unter Strom. Desinvestitionen und Akquisitionen verstärken die Unruhe. Doch die Querelen auf allen Hierarchieebenen werden nicht auf dem Marktplatz ausgetragen.

Erste Erfolge sind vorzuzeigen. Bei den Desinvestitionen hat Eon seit der Eintragung ins Handelsregister Mitte Juni schon einiges realisiert. So werden schöne Buchgewinne das Ergebnis im Geschäftsjahr 2000 aufpolieren, obwohl der Bereich Strom nach der Liberalisierung in schwere Ertragsturbulenzen geraten ist. Mit Unternehmensverkäufen werden allerdings nur Teile der selbst gesteckten und von Analysten bejubelten Forderungen an den neuen Konzern erfüllt. Nun muss der Schritt nach vorne folgen, die internationale Ausrichtung. Eon-Chef Ulrich Hartmann hatte die Marschrichtung schon bei der Fusion mit dem bayerischen Konkurrenten Viag vorgegeben: In fünf Jahren soll der Konzern im europäischen Energiegeschäft an der Spitze stehen - was im Übrigen auch beim Wettbewerber RWE/VEW in Essen als Ziel definiert ist. Doch der Weg ist steinig und die Strecke nicht zu überschauen.

Die Vision der Manager beider Energieriesen, die mehr als zwei Drittel des deutschen Stromabsatzes repräsentieren, heißt, zum European Power-House mit Strom, Gas und Wasser aufzusteigen. Die Realität aber ist eine andere: Noch sind im originären Kerngeschäft Stromproduktion die beiden staatlichen Gesellschaften Electricité de France und die italienische Enel bedeutend größer. Und sie operieren vorläufig auf abgeschotteten Heimatmärkten, die nicht einmal die minimalen EU-Vorgaben zur Marktöffnung ganz erfüllen. Um in diese Europaliga aufzusteigen, in der mittelfristig unter den gleichen Wettbewerbsbedingungen gespielt werden muss, planen Hartmann wie auch RWE-Chef Dietmar Kuhnt große Deals und kleine Schritte. In der Öffentlichkeit gab es bereits allerlei Spekulationen. Doch die Kommentierung der Unternehmen lautet: "In der Branche spricht jeder mit jedem."

Die Problemfelder für die strategische Ausrichtung sind definiert. Beim Gas und Wasser besteht erheblicher Nachholbedarf, da sind Kooperationen und Allianzen unumgänglich. Die Mütter werden dies richten. Eon hat zudem die Chemie, bei der eine neue Struktur umgesetzt werden muss, als zweites Kerngeschäftsfeld. Das Mineralöl dagegen wird in eine Aschenputtelrolle gedrängt und muss sich seinen Prinzen selber suchen. Wenn die heißen Branchengerüchte stimmen, löst sich bei RWE das Problem schneller. Shell soll das Tankstellengeschäft der RWE-Dea übernehmen, und das schon im Herbst. Wenn sich Shell nicht gleich den ganzen RWE-Konzern einverleibt - wozu dessen Börsenkapitalisierung geradezu einlädt. Eon geht den weniger radikalen Weg mit seiner Öltochter. Allianzen auf allen Stufen der vertikalen Integration vom Bohrloch bis zum Verbraucher werden angestrebt.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die Zahl der Übernahmekandidaten ist zudem beschränkt. Und das Fusionsfieber klingt weltweit langsam ab. Klein, fein und wendig könnte schon bald die Devise lauten.

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