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20.03.2003

17:53 Uhr

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Kommentar: Erdogan zwischen allen Stühlen

VonGerd Höhler aus Ankara

Zu wenig, zu spät - so beurteilen die meisten Beobachter, was das türkische Parlament am Donnerstag be-schlossen hat. Die Öffnung des türkischen Luftraumes für die US Air Force bleibt weit hinter dem zurück, was die Regierung in Washington von ihrem Verbündeten erwartet hatte.

Zu wenig, zu spät - so beurteilen die meisten Beobachter, was das türkische Parlament am Donnerstag beschlossen hat. Die Öffnung des türkischen Luftraumes für die US Air Force bleibt weit hinter dem zurück, was die Regierung in Washington von ihrem vermeintlich verlässlichsten Verbündeten erwartet hatte. Eine Truppenstationierung, die den Feldzug gegen Irak für die Strategen im Pentagon wesentlich erleichtert hätte, von der türkischen Nationalversammlung aber bereits Anfang März abgelehnt wurde, wird es nicht geben. Und nicht einmal zu Tankstopps dürfen die US-Militärflugzeuge in der Türkei landen.



Dass die USA der Türkei ihr Minimalzugeständnis mit den in Ankara erhofften Dollarmilliarden honorieren wird, ist keineswegs sicher. Regierungschef Erdogan sitzt zwischen allen Stühlen. Die USA zürnen ihm, weil er die Trup-penstationierung nicht durchsetzen konnte. Die Finanzmärkte sind verunsichert, weil er die US-Finanzhilfe verspielte. Den Kriegsgegnern in der Regierungspartei geht die Öffnung des Luftraumes immer noch zu weit. Und die mächtigen Militärs, die Erdogan wegen seiner Verwurzelung im politischen Islam ohnehin misstrauen, könnten sich jetzt fragen, wie handlungsfähig dieser Premier eigentlich ist.

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