Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2002

17:01 Uhr

Handelsblatt

Kommentar: Im "Handels-Register" muss eine Story stehen

VonStefan Paul Mechnig (vwd)

Handel und Wandel werden ja gern in Zusammenhang gebracht. So, wie sich die Umsätze bei den Großen der Branche voriges Jahr entwickelt haben, ist es mit dem Thema Veränderung allerdings nicht weit her:

Metro fällt noch einmal hinter das ohnehin beschnittene Ziel zurück, Karstadt schafft nicht ein Quäntchen über die drastisch zurückgestutzte Prognose hinaus, Douglas bleibt am unteren Rand der eigenen Erwartung; nur der Großflächenanbieter AVA kann seine vor Monaten angekündigte Wachstumsplanung verwirklichen. Für sie alle gilt: Der Markt machte und macht es ihnen nicht leicht. Doch als Anleger den Sektor abzuschreiben, hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Zwar fängt das Jahr 2002 an, wie das alte Jahr aufgehört hat: ziemlich mau. Auch in den kommenden zwölf Monaten wird der Einzelhandel nach Ansicht seines Verbandes HDE nach Abzug der Inflation wieder Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Die allgemeine wirtschaftliche Flaute und Arbeitsplatzsorgen lähmen die Konsumbereitschaft, obwohl der Kaufkraftschwund nachlässt und die Preise für Benzin, Energie und vor allem für Lebensmittel sinken. Hier haben große Discounter wie Aldi zu Jahresbeginn Fanale gesetzt. Erhebliches Wachstum und Profit sind jedoch über die Preisschiene nicht zu erzielen. Um im Wettbewerb zu bestehen und voranzukommen, bleiben aber drei Möglichkeiten.

Von den börsennotierten Konzernen, die in dieser zweiten Januarwoche ihr traditionelles Schaulaufen absolviert haben, beschreitet jeder einen dieser Wege – und das mit Erfolg. Die eine Möglichkeit heißt: Sein Glück im Ausland zu suchen. Hier glänzen Metro und Douglas, die in ihren wichtigsten Feldern jenseits der deutschen Grenzen auf Expansion setzen und damit hohes Wachstum erzielen. Bei Metro sind es der angestammte Cash & Carry-Abholgroßhandel und die Elektronikkette Media/Saturn, bei Douglas die Parfümerien. Mit ihnen fahren die Konzerne den Löwenanteil ihres Gewinns ein.

Betriebswirtschaftliche Optimierung im Inland

Von daher werden immer wieder Forderungen laut, sich ganz auf die Kernbereiche zu fokussieren. Doch wenn es den Unternehmen gelingt, die renditeschwachen Bereiche auf Vordermann zu bringen, dann könnte die Devise auch lauten: "Nice to have". Einen anderen Weg bereitet im Wesentlichen die AVA – den der betriebswirtschaftlichen Optimierung im Inland. So werden die SB-Warenhäuser und die Verbrauchermärkte auf die einheitliche Bezeichnung "Marktkauf" getrimmt; das spart Werbekosten. Und ihre problematischen Baumärkte, die es immerhin 2001 wieder auf Wachstumskurs schafften, bringen die unauffälligen Westfalen in Kooperationen ein.

Auf dem mühsamsten aller drei Wege ist Karstadt-Quelle, die auch am meisten aufzuholen hat. Zwar dreht auch der Warenhaus- und Versandriese an der Kostenschraube, baut um und entlässt im großen Stil. Vor allem aber sind die Essener bemüht, über neue Ideen zusätzlichen Umsatz zu erzielen. Weitere Geschäftsfelder auftun, lautet die eine Parole. Ein Bündel von Maßnahmen hat Karstadt gerade vorgestellt – die Gründung einer eigenen Hypothekenbank etwa zur Senkung der Finanzierungskosten. Bei Analysten findet sowas Anklang. Kundenbindung heißt das zweite Schlagwort – hier ist zum Beispiel eine gemeinsame Kundenkarte mit der Deutschen Telekom in der Mache.

Die Konzerne sind also nicht untätig, um aus der Branche an Rendite herauszuholen, was sie an schierem Wachstumspotenzial auf dem übersättigten heimischen Markt nicht hergibt. Zwar werden die Bäume nie in den Himmel wachsen. Doch bei wem eine "spezielle Story" im Handelsregister steht, der taugt für Börsenphantasie. Und bei dem kann auch der Anleger durchaus einsteigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×