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18.02.2002

12:18 Uhr

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Kommentar: Kampf um die Deutschland AG

VonPeter Poppe

Die Spekulation um die Höhe von Leos Kirchs Schulden haben wieder Bewegung an der Front im Kampf um die Deutschland AG gebracht.

Nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" sollen die Schulden doppelt so hoch liegen wie bislang angenommen - nämlich bei mindestens 13 Mrd. Euro. Sollte sich das bewahrheiten, wäre der Rettungsplan für das bayerische Medienimperium, an dem seit Tagen unter der Federführung von Hypo-Vereinsbank und Dresdner Bank fieberhaft gebastelt wird, stark gefährdet. Die Überbrückung von Kirchs Liquiditäts-Engpass durch den Verkauf von 1,1 Mrd. Euro Anteilen am Axel Springer-Verlag könnte sich dann als ungenügend herausstellen. Plötzlich wären die angelsächsischen Investment-Banker um die Deutsche Bank-Chefs Breuer und Ackermann wieder am Zuge. Sie würden Kirchs Reich am liebsten zerschlagen und die Filetstücke verkaufen.

Der Krimi um die Rettung des Lebenswerks einer der letzten Wirtschaftswunder-Grössen ist auch ein faszinierender Kampf um die Zukunft der Deutschland AG. Die Bewahrer wollen am politisch geschützten Klüngel-Kapitalismus festhalten. Kein Wunder, dass ihre Vorkämpfer aus Bayern stammen, wo staatliche Eingriffe in die Wirtschaft eine leidige Tradition sind. Die Zerstörer der Deutschland AG wollen durch die Entflechtung der deutschen Wirtschaft den Kapitalismus auf Trab bringen - mit satten Provisionen für sich selbst, versteht sich - und so das Land für ausländische Investoren attraktiver machen.

Doch der Sieg der Angelsachsen-Fraktion ist auch nach einem möglichen Etappengewinn alles andere als sicher. Deutsche-Bank-Boss Breuer hat mit seinen offenherzigen Äusserungen zur mangelnden Kreditwürdigkeit Kirchs, mit der der Filmhändler wohl in eine Existenz gefährdende Situation gebracht werden sollte, womöglich eine Schadenersatzklage gegen die Bank provoziert und Entrüstung in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft ausgelöst. Solche Methoden bestätigen nur Vorurteile über die "kalten Kapitalisten" und bringen Deutschland auf dem Weg zu einer freieren Marktverfassung nicht voran.

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