Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2002

19:49 Uhr

vwd MAGDEBURG. Nach einem gemeinsamen Frühstück war die K-Frage gelöst. Edmund Stoiber wird das K für die CDU/CSU. Schon bevor Angela Merkel arg zerknittert in Magdeburg vor die Presse trat, liefen entsprechende Gerüchte über die Entscheidung durch die Medien. Eine Reaktion an der Börse war da schon nicht auszumachen, auch als die Bestätigung kam, zuckten die Börsianer eher gelangweilt mit den Schultern.

Das mag verwundern, gilt doch Stoiber als Reformer mit Laptop und Lederhose als große Hoffung auf das Ende des deutschen Reformstaus. Immerhin wird Bayern unter den Bundesländern als Klassenprimus neidisch beäugt. Aber angesichts der in der kommenden Woche anstehenden US-Quartalszahlen von Marktgrößen wie Intel, Yahoo!, IBM und Microsoft schwindet die Marktrelevanz der K-Frage aus Börsensicht auf Provinzniveau.

Im Lauf der Woche hatten einige auf dem Parkett die Prognose einer "Stoiber-Hausse" im Jahresverlauf gewagt. Das "Börsen-Plus" von Edmund Stoiber sei sein Alter, hieß es. Sollte er nicht auf eine zweite Kanzler-Periode schauen, könnte er die grundlegenden Wirtschaftsprobleme in Deutschland anpacken und auch endlich die dringenden schmerzhaften Reformen im Sozialsystem umsetzen. Doch diese Argumentation scheint mehr von der Hoffnung als von der Realität genährt.

Gerade bei den dringenden Reformen des Arbeitsmarktes und der Sozialsysteme liegt die Lösungskompetenz aus politischer Sicht bei den Sozialdemokraten und nicht bei den Christdemokraten. Wer anders als ein sozialdemokratischer Kanzler hätte den Gewerkschaften sagen sollen, dass ein Ende der starren Tarifstrukturen an der Zeit ist? Es ist politisch häufig so, dass ein tiefgreifender Wandel nur von einem anerkannten Vertreter aus dem eigenen Lager angestoßen werden kann. Siehe als eines der aktuellsten Beispiele den Wandel der Grünen unter Fischer.

Stoiber oder Schröder - die Frage scheint aus wirtschaftlicher und Börsianer-Sicht noch aus einem weiteren Grund als unbedeutend.

Schröder ist kein Genossen-Sozi der alten Garde, sondern steht wirtschaftspolitisch soweit in der Mitte, dass sich Stoiber schon arg ins Zeug legen muss, um sich klar zu profilieren. Von "Stoiber-Hausse" kann demnach nur reden, wer Politik in Deutschland immer noch in feindliche Lager aufteilt. Denn seit Schröders "Neuer Mitte" sind diese Schützengräben längst passe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×