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12.01.2007

10:28 Uhr

Kommunalwahl in Wiesbaden

Der völlig vergessene Spitzenkandidat

VonThomas Sigmund

Es scheint schier unmöglich, aber die Wiesbadener SPD hat vergessen, ihren Kandidaten für die OB-Wahl im März rechtzeitig beim Wahlleiter einzureichen. Nun versuchen die Verantwortlichen mit allen juristischen Mitteln, das offensichtlich Unabwendbare noch abzuwenden und bei der Kommunalwahl anzutreten.

BERLIN. Es gehört zum guten Ton von Herrn Pighetti, alle Anfragen zu beantworten", sagt der Sprecher der Wiesbadener SPD am Telefon. Nach zwei Sekunden Schweigen fügt er dann doch noch einschränkend hinzu: "Wenn irgendwie möglich." Eine Aussage, die einen gewissen Respekt abnötigt.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Marco Pighetti ist für den größtmöglichen Gau seiner Partei verantwortlich. Wie es dazu kam ? Der 43-Jährige hätte den Vorschlag für die OB-Wahl am 11. März beim Wahlleiter einreichen müssen. Oder hätte es wenigstens veranlassen müssen, wie Parteifreunde meinen. Doch nichts geschah. Die Frist verstrich. So wie es jetzt aussieht, kann der ehemalige katholische Stadtdekan Ernst Roth-Ewald nicht als Spitzenkandidat ins OB-Rennen ziehen.

Hätte, hätte, hätte. Hans Maus, der Ortsvereinschef von Bierstadt und sozialdemokratisches Urgestein in Wiesbaden, kann das nicht mehr hören. "Man soll jetzt aufhöre mit dem Finger auf andere zu zeige", sagt der Hesse. Es bringe nichts, im Wahlleiter und CDU-Ordnungsdezernenten Peter Grella den "Schuldigen zu suche, um selbst vom eigenen Verschulden abzulenken". "Das geht net, man soll das jetzt auch ein wenig in Demut hinnehmen und einen Neuanfang machen."

Ein Ratschlag der Basis, den der Übergangsvorstand des Unterbezirks wohl nicht beherzigen wird. Mit allen juristischen Mitteln will Alt-OB Achim Exner das scheinbar Unabwendbare noch abwenden. Eine Wiesbadener Kanzlei erstellte in rekordverdächtiger Zeit bis heute ein Rechtsgutachten, indem Wahlleiter Grella eine Pflichtverletzung "nachgewiesen" wird. Der CDU-Mann habe seinen Mitarbeitern in dieser Angelegenheit einen "Maulkorb" verpasst, wird unter Berufung auf Quellen im Wahlamt gestreut. Deshalb der zentrale Vorwurf: Der CDU-Mann hätte die SPD auf das nahende Fristende hinweisen müssen. Da ist es wieder: Hätte, hätte, hätte.

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