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14.01.2002

19:00 Uhr

Komplettservice für VIPs und Wichtigtuer

NetJets macht den Firmenjet erschwinglich

VonKatharina Kort

NetJets verkauft seinen Kunden Anteile an Flugzeugen. Ohne einen ganzen Jet zu kaufen, kommen Unternehmen so trotzdem in den Genuss des Firmenjets. Das Geschäft läuft auch in Krisenzeiten.

NEW YORK. First Class ist noch immer nicht gut genug? Die Alternative ist der Firmenjet. Doch der Luxus für VIPs und Wichtigtuer ist richtig teuer; und zwar so teuer, dass die Firma NetJets daraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell gemacht hat. Die Firma bietet Unternehmen, die sich kein eigenes Flugzeug leisten können oder wollen, Beteiligungen an ihren Flugzeugen an - abrufbar jederzeit. "Fractional Ownership", gestückelter Besitz, nennt sich das Konzept.

Danach portioniert NetJets die Flieger in Sechzehntel-Besitzanteile, die zu je 50 Flugstunden berechtigen. Die Preise reichen je nach Flugzeugtyp von 350 000 $ bis zu 4 Mill. $. Hinzu kommen monatliche Wartungs- und Management-Gebühren und Kosten pro geflogene Stunde. Damit das Fliegen für die Kundschaft so einfach wie möglich wird, stellt NetJets die Piloten und übernimmt die Wartung der Jets.

Gegenüber Linienfliegern hat der Firmenjet mehrere Vorteile: Die Wartezeiten sind kürzer, die Mitarbeiter fliegen - besonders wenn sie nicht zwischen zwei Großstädten unterwegs sind - direkt zum Zielort, und sie wissen, mit wem sie im Flieger sitzen. Vor allem nach den Terrorattacken vom 11. September legen viele Unternehmen Wert auf Sicherheit.

Das Unternehmen mit Sitz in Woodbridge im Bundesstaat New Jersey ist der Pionier des Fractional- Ownership-Konzepts bei Flugzeugen. Richard Santulli, ein ehemaliger Investment-Banker von Goldman Sachs, entwickelte das Modell, das bei Ferienimmobilien (Time-Sharing) längst erprobt ist, vor 15 Jahren: Damals war er beim Versuch, mit drei Freunden ein Flugzeug zu teilen, gescheitert. Knackpunkt: Alle wollten den Flieger zur gleichen Zeit nutzen. Der studierte Mathematiker rechnete also aus, wie viele Flugzeuge und Kunden man braucht, um die Nachfrage jederzeit befriedigen zu können und trotzdem Geld zu verdienen. Zunächst kaufte er acht Flugzeuge. Heute verwaltet NetJets 420 Flugzeuge in den USA und Europa.

Zu den Kunden gesellten sich schon bald Weltunternehmen wie General Electric. 1995 kaufte dann sogar der legendäre Investor und Milliardär Warren Buffett Beteiligungen an den NetJets-Flugzeugen. Buffett, dessen Motto "Ich kaufe nur, was ich verstehe" heißt, war als Kunde derart zufrieden, dass er Santulli anbot, bei NetJets einzusteigen. Und als das Geschäft wuchs und Santulli Kapital brauchte, klingelte bei Buffett das Telefon. Wenige Wochen später, im Juli 1998, übernahm Buffetts Holding Berkshire Hathaway Inc. die NetJets Muttergesellschaft Executive Jet.

"Wenn jemand wie Buffett in das Unternehmen investiert, muss das ein gutes Geschäft sein", meint David Treitel, Vorstandsvorsitzender der Flugberatung SH&E International Air Transport Consultancy. Dennoch sind viele Konkurrenten, die das NetJets-Modell nachahmen wollten, gescheitert. Häufig waren sie zu klein, um wettbewerbsfähig zu sein. "Das Konzept belohnt Größe. Je mehr Flugzeuge Sie haben, umso niedriger werden die Kosten pro Kunde", erklärt Treitel.

Anbieter brauchen vor allem ein gutes finanzielles Polster, um die ersten Jahre zu überstehen. Auch Santulli musste mit NetJets sieben Jahre warten, bis das Unternehmen Gewinne abwarf. Daher sind die Konkurrenten vor allem Töchter von Flugzeugherstellern: Citation-Shares ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Cessna Aircraft und TAG Aviation USA, Bombardier Flexjet eine Tochter von Bombardier Aerospace und Raytheon Travel Air. Der neueste Spieler ist die Fluggesellschaft United Airlines, die derzeit mit der vor sieben Monaten gegründeten Tochter Avolar aggressiv in das Beteiligungsgeschäft einsteigt. Auch sie verspricht sich von den exklusiven Geschäftsreisen ein gutes Geschäft.

Wie es funktioniert, hat NetJets vorgemacht. Nach eigenen Angaben orderte die Company in den vergangenen sechs Jahren 40 % aller neuen Firmenjets weltweit.

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