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19.07.2000

14:38 Uhr

Reuters MÜNCHEN/FRANKFURT. Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland bleibt nach Einschätzung von Experten trotz des im Juni unerwartet schwach ausgefallenen Ifo-Geschäftsklimaindex intakt. Wie das Ifo-Institut am Mittwoch in München mitteilte, fiel der an den Finanzmärkten viel beachtete Geschäftsklimaindex für Westdeutschland im Juni auf 100,4 (Mai: 102,0). Analysten hatten 102,1 Punkte erwartet.

Ifo Chefvolkswirt Willi Leibfritz sagte in einem Reuters-Interview, der Index signalisiere nach wie vor einen konjunkturellen Aufschwung in Deutschland und dürfte in den nächsten Monaten nicht weiter fallen. Andere Analysten sprachen von einem Ausreißer nach unten. Der Euro fiel nach der Bekanntgabe der Daten zum Dollar auf ein Acht-Wochen-Tief von 0,9204 $.

Auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften die Ifo-Daten keinen Einfluss haben, sagten die Analysten übereinstimmend. Die meisten rechnen nach wie vor ab September mit einer Anhebung des Mindestbietungssatzes bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften um 25 Basispunkte auf 4,50 %. Auf seiner Ratssitzung am Donnerstag dürfte die EZB die Zinsen unverändert lassen.

Der Index der Geschäftsbeurteilungen in Westdeutschland sank den Angaben zufolge im Juni auf 94,3 (Mai: 95,4). Der Index für die Geschäftserwartungen in den alten Ländern sei auf 106,6 von revidiert 108,8 gefallen. In den neuen Bundesländern sank der Geschäftsklima-Index auf 105,8 (revidiert 107,5) Punkte. Auch der Index der Geschäftserwartungen verlor im Osten, und zwar auf 87,6 von 88,3 im Mai. Bei der Geschäftsbeurteilung im Osten wurde ein Rückgang auf 125,0 (128,0) festgestellt.

Der Rückgang des Ifo-Geschäftsklimadex deutet nach Ansicht von Leibfritz nicht auf einen neuen Abwärtstrend bei dem Konjunkturbarometer hin. "Da das Index-Niveau schon so hoch ist, erwarten wir keinen deutlichen Anstieg mehr, doch der Index dürfte auf einem relativ hohen Niveau bleiben, da dies mit einer günstigen Wachstumsrate im Einklang steht." Ifo erwarte in diesem und im nächsten Jahre nach wie vor ein kräftiges Wirtschaftswachstum in Deutschland.

Wenn der Gesamtindex auf dem gegenwärtigen Niveau bliebe, stimme dies mit unsere Wachstumprognose überein, sagte der Volkswirt weiter. Der Rückgang im Juni sei wahrscheinlich eine Reaktion auf das starke Ergebnis im Mai. "Der Index ist immer noch sehr hoch und signalisiert eine konjunkturellen Aufschwung", sagte Leibfritz. Das Münchener Institut erwarte ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,5 bis 3,0 % in diesem und im nächsten Jahr.

Auch Analysten warnten davor, den Rückgang im Juni über zu bewerten. "Man darf das aber auch nicht überbewerten. Als Gründe für den Rückgang könnte man den stärkeren Euro, der die Exportwirtschaft trifft, die hohen Ölpreise und das Gerangel um die Steuerreform nennen", sagte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin. Er sieht in den Juni-Zahlen nur einen einmaligen, kurzen Rückgang. Die Konjunkturaussichten für Deutschland und die Euro-Zone seien unverändert gut und auch die harten Fakten wie Auftragseingänge und die steigende Binnennachfrage seien positiv.

Petra Köhler von der Dresdner Bank sagte, unter anderem werde die Verabschiedung der Steuerreform wieder zur Stimmungsverbesserung beitragen. "Der Aufschwung in Deutschland bleibt trotzdem kräftig; wir gehen insbesondere von einem starken zweiten Quartal aus..

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