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22.01.2003

16:35 Uhr

Konjunkturflaute und Irak belasten

Weiter Turbulenzen bei Tui und Lufthansa

Die flaue Konjunktur und der drohende Irak-Krieg bringen die Lufthansa und den weltgrößten Reisekonzern Tui gleich zu Jahresbeginn wieder in Turbulenzen. Statt einer ruhigen Reise nach dem schwierigen Geschäft 2002 ist in den Vorständen erneut Krisenmanagement und kurzfristiges Kostenkappen angesagt.

HB/dpa FRANKFURT. Bis Mitte Februar will die in schwierigen Tarifgesprächen steckende Lufthansa "umfassende Maßnahmen zur Ergebnissicherung" prüfen, Jets sollen still gelegt werden. Tui kündigte am Mittwoch ein neues Sparprogramm von 111 Millionen Euro an.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Tui-Konzernchef Michael Frenzel als Reaktion auf die Folgen der Terroranschläge vom 11. September ein Sparprogramm von 160 Millionen Euro verordnet, von dem die damalige Reisetochter Tui 35 Millionen Euro schultern musste. Als eine Reaktion hatte die Tui Deutschland Ende vergangenen Jahres ihre Arbeitsstrukturen umgestellt und ein Modell mit Leiharbeit und flexiblen Arbeitszeiten entwickelt. Das Weihnachtsgeld wird an den Unternehmenserfolg gekoppelt und beträgt zwischen 60 und 140 Prozent.

"Wir können uns vorstellen, dass dieses Modell auch auf andere Konzernunternehmen übertragen wird", hatte der Tui-Deutschland - Geschäftsführer Volker Böttcher erklärt. Damit würde sich ein erheblich größeres Einsparpotenzial als die zunächst vier Millionen Euro jährlich bei der Tui Deutschland ergeben. 2003 will der Tui - Konzern beim Personal 46 Millionen Euro weniger ausgeben. Unter anderem sollen befristete Verträge auslaufen. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, versicherte Sprecher Kay Baden.

Stark belastet wird der Tui-Konzern aber durch die nach wie vor erhebliche Schuldenlast von 5,7 Milliarden Euro und die fälligen Zinszahlungen. Als eigentlich fest verbuchte Einnahme entging Frenzel der Erlös aus dem gerichtlich gestoppten Verkauf der Ruhrgas-Anteile an Eon. Nun hofft die Tui-Spitze, dass das Geld in diesem Jahr fließen kann. Spuren hinterlassen hat außerdem die 189 Millionen Euro teure Pleite der Babcock Borsig AG, an der die Tui Anteile hielt. Insofern hat nicht nur die Tourismus-Flaute Frenzel manchen Strich durch seine Rechnungen gemacht.

Bei der Lufthansa sieht sich der Vorstand zu einer Kehrtwende bei der Kapazitätsplanung gezwungen. Von April an sollen wegen gesunkener Nachfrage neun weitere Jets vorläufig still gelegt werden. Damit bleiben 21 eigene Maschinen und 15 bei regionalen Partnern am Boden. Zum Winterflugplan hatte die Lufthansa das Angebot wegen anziehender Nachfrage noch erhöht. Vor allem Buchungen für die gewinnträchtigen Sitze in der Business Class bleiben aber nun aus, haben die Planer registriert. Auch beim Frachtgeschäft weise der Trend nach unten.

Schon seit Wochen schwört Vorstandschef Jürgen Weber seine Lufthanseaten auf eine "Durststrecke" 2003 ein. Nähere Angaben zu den am Dienstagabend angekündigten Einschnitten zur Ergebnissicherung machte die Konzernspitze aber nicht. Nach den Terroranschlägen in den USA war im Herbst 2001 ein Investitions- und Einstellungsstopp verhängt worden, Flugfrequenzen wurden ausgedünnt. Die Gewerkschaften stimmten für einen Verzicht auf Entlassungen einem Einkommensverzicht zu.

Adressaten der Vorstandsbotschaft seien daher in erster Linie die Gewerkschaft ver.di und die Bundesregierung, sagt Uwe Weinreich, Luftfahrtanalyst der HypoVereinsbank. Der Gewerkschaft solle vor der nächsten Runde in den Tarifverhandlungen für die 52 000 Beschäftigten am Boden und in den Kabinen noch einmal klar gemacht werden, dass überhöhte Forderungen zu Lasten von Jobs gehen würden. Verdi fordert nach einem ersten Warnstreik unverändert neun Prozent mehr Geld. Auch der Bundesregierung habe ein Warnhinweis gegolten. Allein aus den Plänen zur Einführung einer Mehrwertsteuer für grenzüberschreitende Europaflüge befürchtet die Airline Millionenlasten.

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