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30.01.2003

08:58 Uhr

Konjunkturpessimismus wächst

Verbraucher blicken in düstere Zukunft

Die Deutschen schätzen die Aussichten für die Wirtschaft immer pessimistischer ein. Nachdem der Einzelhandel schon 2002 ein miserables Jahr verbuchen musste, lässt die schlechte Verbraucherstimmung vorerst keine Rückkehr der Konsumfreude erwarten.

Reuters NÜRNBERG. Besonders die steigende Arbeitslosigkeit und der Irak-Konflikt lasten einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge auf der Stimmung der Verbraucher. Der GfK-Konsumklimaindikator für Februar sei auf 4,1 Punkte nach revidiert 4,4 Punkten für Januar gefallen, teilte die GfK am Donnerstag mit. "Die Entwicklung der Verbraucherstimmung spricht im Moment eher dafür, dass sich das Konsumklima weiter schwach entwickeln wird", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

In der Januar-Umfrage hätten sich die Verbraucher so pessimistisch über die Aussichten für die Wirtschaft geäußert wie seit knapp sechs Jahren nicht mehr. Bereits 2002 hatten die Verbraucher ihre Ausgaben deutlich eingeschränkt. Der private Konsum - auf den rund 60 % des Bruttoinlandsprodukts entfallen - war um real 0,5 % zurückgegangen.

Auch das Weihnachtsgeschäft brachte dem Einzelhandel nicht die erhoffte Wende zum Besseren. Die Umsätze fielen im Dezember einer Umfrage des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) zufolge zum Vorjahr um knapp sechs und im November um fast fünf Prozent. Insgesamt gaben die Menschen dem HDE zufolge im vergangenen Jahr 3,5 % weniger in den Geschäften aus.

Lösung des Irak-Konflikts reicht zur Konsumstärkung nicht

Banken-Volkswirte rechnen nicht mit einer baldigen Trendwende beim Konsum. "Die Lösung des Irak-Krieges wird alleine nicht reichen, um den Teufelskreis aus schlechter Wirtschaftslage, hoher Arbeitslosigkeit und dem privaten Verbrauch zu brechen", fürchtet Gerd Haßel von der ING BHF-Bank. Zwar werde ein Ende des Konflikts - auf welche Art auch immer - wieder für leichte Zuwächse beim Konsum sorgen. Erst eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit und ein Anstieg der Netto-Einkommen könne die Leute jedoch wieder dauerhaft zum Geldausgeben animieren.

Jörg Krämer von Invesco Asset Management sieht die Einzelhändler vor einem weiteren schweren Jahr. Dem Handel bleibe auf Grund des scharfen Wettbewerbes und niedriger Margen kaum die Möglichkeit, die Kunden über weitere Schnäppchen wieder in die Geschäfte zu locken. "Der Handel muss eher dafür sorgen, dass Einkaufen in Deutschland wieder Spass macht - etwa durch besseren Service und längere Ladenöffnungszeiten", sagte Krämer. Der HDE rechnet in diesem Jahr mit einem neuen Rückgang des Einzelhandelsumsatzes um 1,5 %.

Höhere Abgaben dürften Einkommenserwartungen drücken

Der GfK-Teilindikator für die Konjunkturerwartungen rutschte mit minus 29,2 Zählern in der Januar-Umfrage auf den tiefsten Stand seit Anfang 1997. Die Einkommenserwartungen der Befragten verbesserten sich der GfK zufolge um zwei Punkte auf minus 19,4 Punkte. Im Trend bleibt dieser Indikator jedoch Bürkl zufolge weiter abwärts gerichtet, zumal die Verbraucher zur Zeit der Umfrage ihre neuste Lohn- und Gehaltsabrechnung noch nicht in den Händen gehabt hätten. "Es war vermutlich vielen Arbeitnehmern noch nicht wirklich bewusst, in welchem Umfang die Erhöhung der Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung ihre Einkommen belasten werden", erläuterte Bürkl.

Die Bereitschaft der Verbraucher zum Kauf langlebiger Güter wie Kühlschränke oder Autos nahm der GfK zufolge etwas zu, die Anschaffungsneigung stieg um gut 10 auf minus 31,2 Zähler. Damit weise der Indikator aber weiter auf die ausgesprochene Kaufzurückhaltung der Verbraucher hin. Die GfK berechnet im Auftrag der EU-Kommission aus einer monatlichen Befragung von 2000 Verbrauchern jeweils das Konsumklima für den Folgemonat.

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