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23.04.2003

06:00 Uhr

Konkurrenz bei der Zertifizierung von Anlagen

TÜV versus KPMG

VonBernward Janzing

Wirtschaftsprüfer oder Technischer Überwachungsverein (TÜV)? Bei der Vergabe der Zertifikate für den Emissionshandel spielt externer Sachverstand eine zentrale Rolle. Je nach Branche und Unternehmensgröße kann der Prüfungsaufwand stark schwanken.

DÜSSELDORF. Die Zertifikate sind notwendig, damit das Trading überhaupt funktioniert. Sie geben dem Inhaber das Recht zum Ausstoß einer bestimmten Kohlendioxidmenge während einer bestimmten Zeitspanne. Die Ausgabe der Zertifikate regeln in der Europäischen Union die Mitgliedstaaten. In Deutschland teilt das Umweltministerium anhand von so genannten Allokationsplänen den einzelnen Unternehmen Emissionsrechte zu. Dies geschieht auf Basis eines noch zu bestimmenden Referenzjahres oder einer mehrjährigen Referenzperiode.

Für die Referenz- und auch die spätere Handelsperiode bedarf es aber verlässlicher Emissionsdaten - und die muss sich jede Firma von externen Prüfern bescheinigen lassen. Diese wiederum brauchen eine Akkreditierung als Zertifizierer. Ein Markt, den Wirtschaftsprüfer wie Price- Waterhouse-Coopers (PwC) und KPMG sowie die technischen Prüfer, etwa die des TÜV, bedienen werden.

Die Prüfungsmethoden weisen große Unterschiede auf: In vielen Industrieanlagen wird sich die Emission von Kohlendioxid schon anhand der Buchhaltung ermitteln lassen. Daher sehen die Wirtschaftsprüfer sich im Vergleich zu den Technikern mindestens ebenbürtig qualifiziert. "Wenn wir erfassen, welcher Brennstoff in welchen Mengen genutzt wird, können wir die Kohlendioxidemissionen daraus oft schon errechnen", sagt Arthur Pelchen vom Climate Change Service von PwC. Denn jeder Brennstoff hat einen speziellen Emissionsfaktor. Die Technik der Verbrennung spielt keine Rolle. Das ändere sich jedoch, wenn weitere Emissionen gehandelt werden, sagt Pelchen. Bei Stickoxiden etwa hängt der Ausstoß entscheidend von der Verbrennungstechnik ab.

Der TÜV wiederum koppelt die Zertifizierung - auch Treibhausgasinventur genannt - an bestehende Umweltmanagementsysteme wie etwa ISO 14 000. Er sieht seinen Vorteil darin, dass er als technischer Verein für die Unternehmen auch Konzepte zur Verbesserung der Energieeffizienz entwickeln kann.

Aufwand und Kosten einer Zertifizierung hängen stark von der Größe und der Anzahl der Anlagen ab. In einfachen Fällen könne die Bewertung einer Anlage anhand der Unterlagen erfolgen, sagt auch Bernhard Grimm vom Carbon Management Service des TÜV Süddeutschland. In solchen Fällen sei ein CO2-Zertifikat in zwei bis drei Mann-Tagen erstellt.

Bei größeren Industrieanlagen und komplizierteren Prozessen müssen die Gutachter jedoch vor Ort arbeiten. Speziell dann, wenn ein Rohstoff nicht nur zur Energiegewinnung, sondern auch in der Produktion genutzt wird. Setzt ein Betrieb etwa Öl einerseits als Brennstoff ein, andererseits aber auch zur Herstellung von Kunststoffen, muss bei der Bilanzierung sauber unterschieden werden. "Dann schauen wir uns die Anlagen und die Verarbeitungsprozesse sehr genau an", sagt Grimm.

Während die Zertifizierung der aktuellen Emissionen oft problemlos möglich ist, kann die Erhebung der Daten aus der zurückliegenden Referenzperiode schwierig werden. Erst recht, wenn das Umweltministerium eine Periode wählen sollte, die länger als zehn Jahre zurückliegt - dann ist die Aufbewahrungsfrist für Unterlagen laut Handelsgesetz überschritten. Die Konsequenz: Unternehmen könnten Unterlagen aus dem Referenzjahr vernichtet haben. Probleme mit der Datenbeschaffung könnte es zudem geben, wenn Anlagen zwischenzeitlich den Eigentümer gewechselt haben.

Vieles hängt für die Unternehmen also davon ab, auf welcher Basis das Umweltministerium die Zertifikate zuteilt. An den Allokationsplänen wird aber noch gearbeitet.

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