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31.01.2002

19:00 Uhr

Konkurrenz-Standard zu UMTS hat weniger Chancen auf Erfolg

Siemens erleidet Rückschlag bei Mobilfunkprojekt in China

VonOliver Müller

Siemens muss bei einem prestigeträchtigen Mobilfunk-Projekt in China mit Widrigkeiten kämpfen: Manager eines Entwicklungspartners berichten von Verzögerungen, Analysten stellen den Zeitplan in Frage.

HONGKONG. Zusammen mit Datang Telecom will die Münchner Siemens AG in China einen alternativen Standard zu UMTS für den Mobilfunk der dritten Generation (3G) etablieren. Am Rande einer Konferenz in den USA hat Datangs Entwicklungschef Li Shihe nun Verzögerungen beim Beginn der Tests angekündigt, in denen Chinas Mobilfunknetzbetreiber den Siemens-Standard TD-SCDMA auf seine wirtschaftliche Anwendbarkeit prüfen sollen. Das berichtet ein Teilnehmer, der Hongkonger Merrill-Lynch Analyst Francis Cheung. Li zufolge macht vor allem die rechtzeitige Bereitstellung von Endgeräten Schwierigkeiten. "Dies bedeutet einen Rückschlag für das Projekt", urteilt Cheung. In China wird mit der Lizenzvergabe für die neue Mobilfunkgeneration 2003 gerechnet.

Siemens setzt darauf, dass eine der vier Lizenzen mit dem TD-SCDMA-Standard verknüpft wird. "In China ist kein Standard dem anderen voraus", widerspricht Peter Borger, Leiter der Siemens Mobilfunksparte in der Volksrepublik, den Berichten über eine Verzögerung der kommerziellen Tests, die im Mai beginnen würden. Bei Feldversuchen unter Regie der Behörden wird der Standard bereits seit September in Peking geprüft. Borger zufolge verlaufen diese Versuche erfolgreich. Doch er gibt zu: "Die Technologie ist für die kommerzielle Anwendung noch nicht reif." Gleiches gelte aber auch für UMTS. Den Entwicklungsrückstand auf den europäischen Standard beziffert der Manager mit etwa fünf Monaten. Bis zum Sommer könne er aufgeholt sein.

Nicht alle Experten sind davon überzeugt. "Dass Datang-Manager jetzt Probleme andeuten, ist bemerkenswert", urteilt Cheung. Das Unternehmen ist eine Tochter der staatlichen China Academy of Telecommunications Technology (CATT). Offizielle Stellen haben sich stets für den lokal entwickelten Standard stark gemacht, weil sie Chinas strategisch wichtige Telekom-Branche von ausländischen Patenten unabhängiger machen wollen. In den vergangenen Monaten haben Politiker ihre verbale Unterstützung für das Projekt sogar erhöht. Auch in der Industrie hat die Technologie neue Freunde gefunden: Alcatel und Fujitsu wollen Netzwerk-Ausrüstung für TD-SCDMA entwickeln; Philips arbeitet an einem Chipset für Handys.

Chinas Entscheidung hat weltweite Auswirkungen

Doch der Weg aus dem Labor auf den Markt ist steinig. "Der Forschungsaufwand ist mit dem der Konkurrenz nicht zu vergleichen", urteilt Cheung. An UMTS-Netzen und-Handys entwickeln alle internationalen Hersteller seit langem; für TD-SCDMA beschäftigt Siemens 500 Ingenieure, Datang 300. Die Investitionen in das Projekt hat Vorstandsmitglied Lothar Pauly auf 100 Mill. $ beziffert.

Ob sich China für TD-SCDMA, UMTS oder beide Standards entscheidet, wird Auswirkungen auf die Telekom-Industrie weltweit haben. Mit 145 Millionen Nutzern ist das Land der größte Mobilfunkmarkt der Welt. Das verspricht einem Standard, der in China zur Anwendung kommt, weltweite Kostenvorteile.

Die Größe des Marktes motivierte jüngst den US-Konzern Qualcomm mit politischer Rückendeckung aus Washington, seine bisher international gegen den europäischen GSM-Mobilfunkstandard erfolglose CDMA-Technologie in China zu verkaufen. Als Gegenleistung für die Zustimmung der USA zu Chinas WTO-Beitritt hat das Land dem Aufbau eines CDMA-Netzes nach langem Widerstand zugestimmt. Es wird von China Unicom betrieben und ging Anfang Januar an den Start.

Siemens hofft, TD-SCDMA bei einem Erfolg in China zum Exportschlager machen zu können. In der Volksrepublik will der Konzern mit diesem Standard bis 2005 30 % Marktanteil erringen und 40 Millionen Kunden gewinnen.

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