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12.06.2000

19:00 Uhr

Konkurrenz zu General Motors und Ford

Hyundai will mit Daimler für Daewoo bieten

Das geplante Bündnis zwischen Daimler-Chrysler und dem koreanischen Automobilhersteller Hyundai Motor wird immer wahrscheinlicher. In dieser Woche könnten erste Details veröffentlicht werden. Daimler erreicht damit den Einstieg in den asiatischen Markt für Nutzfahrzeuge und möglicherweise eine Beteiligung an Daewoo.

ga/zel TOKIO/STUTTGART. Südkoreas führender Automobilkonzern Hyundai Motor ist zuversichtlich, dass es in den kommenden zwei Wochen zu einer Übereinkunft mit der Daimler-Chrysler AG über ein gemeinsames Angebot zur Übernahme von Daewoo Motor kommen wird. Weitere Elemente der angestrebten Allianz könnten unter Einbeziehung von Mitsubishi Motors ein "Weltauto"-Kleinwagenprojekt sowie eine Zusammenarbeit bei Nutzfahrzeugen sein.

Angesichts des fortgeschrittenen Stadiums der von Hyundai-Motor-Chef Chung Mong-Koo geführten Verhandlungen über eine gemeinsame Bewerbung um Daewoo lautet die offizielle Sprachregelung in Korea gegenwärtig lediglich, "die Gespräche mit verschiedenen Seiten" würden fortgeführt. "Kein Kommentar", hieß es am Montag auch offiziell bei Daimler-Chrysler. Aus Konzernkreisen verlautete jedoch informell, dass möglicherweise noch in dieser Woche erste Verhandlungsergebnisse präsentiert werden können.

Inoffiziell wurde auch in Seoul bestätigt, dass mit der Daimler-Chrysler AG "unter Auslotung aller Optionen gesprochen" werde. Der deutsch-amerikanische Konzern habe "durchaus positiv" auf die Offerten von Hyundai reagiert. Dies sei auf koreanischer Seite mit "großer Ermutigung" registriert worden.

Bei der geplanten Allianz mit Daimler-Chrysler, die durch eine Kapitalbeteiligung unterlegt werden soll, stehen drei Projekte im Vordergrund. Zunächst geht es um die gemeinsame Bewerbung für die Übernahme des zusammengebrochenen Autoherstellers Daewoo Motor. Der Abgabetermin für die Bewerbungsunterlagen ist der 26. Juni. Die Allianz von Daimler Chrysler - und Hyundai dürfte in Konkurrenz zu General Motors (GM), Ford und Fiat stehen. Von der koreanischen Regierung war bislang eine Übernahme durch Hyundai im Alleingang abgelehnt worden. Wettbewerbshüter hatten eine Monopolisierung des koreanischen Marktes befürchtet.

Bis zum 30. Juni werden zwei Bewerber für Exklusivverhandlungen ausgewählt. Eine endgültige Entscheidung über das Schicksal von Daewoo Motor soll bis Ende September erfolgen. Hyundai Motor hält einen Kaufpreis von umgerechnet etwa 3 Mrd. " für wahrscheinlich.

Nach einem Bericht der koreanischen Tageszeitung Chosun Ilbo ist geplant, dass Daimler-Chrysler 50,1 %, Hyundai 19,9 % und die Gläubigerbanken die restlichen 30 % des Kapitals von Daewoo Motor erwerben. Die im Vergleich zu anderen koreanischen Automobilherstellern stark ausgebaute Auslandsproduktionstätigkeit soll unter den beiden Partnern geteilt werden.

Eine Vereinbarung zwischen Hyundai und Daimler-Chrysler könnte außerdem die Aufnahme der Koreaner in das Weltauto-Projekt vorsehen, das der deutsch-amerikanische Konzern bereits mit seinem neuen japanischen Partner Mitsubishi Motors verfolgt. Nach den Vorstellungen des koreanischen Autoherstellers ist zwischen 2002 und 2006 die Produktion von bis zu fünf Millionen Exemplaren dieses weltweit angebotenen Kleinwagens vorgesehen.

Von entscheidender strategischer Bedeutung könnte die Gründung eines Joint Ventures mit Daimler-Chrysler in der Nutzfahrzeugproduktion sein. Hyundai Motor will in dieses Projekt sein auf die Fertigung von Nutzfahrzeugen spezialisiertes Werk in Chonju einbringen, das eine Jahreskapazität von 60 000 Fahrzeugen hat. Möglicherweise wird in diese Zusammenarbeit auch die Nutzfahrzeugproduktion von Hyundai in Ulsan integriert, wo leichtere Lkw hergegestellt werden.

Daimler-Chrysler besitzt ein großes Interesse daran, künftig auch mit einem konkurrenzfähigen Nutzfahrzeugprogramm im wachstumsstarken Asien vertreten zu sein. Bislang fehlt dem deutsch-amerikanischen Fahrzeugkonzern ein entsprechendes Angebot. Bei der bevorstehenden Beteiligung am japanischen Hersteller Mitsubishi Motors bekommt Daimler Chrysler - nur den Zugriff auf Pkw.

Eine Allianz mit Daimler-Chrysler dürfte es Hyundai Motor außerdem leichter machen, die geplante Verselbstständigung von der Hyundai - Konzernmutter zu erreichen. Dazu will der Automobilhersteller in dieser Woche einen offiziellen Antrag bei der koreanischen Wettbewerbsbehörde stellen.

Nach einem von Hyundai Motor nicht bestätigten Bericht aus der koreanischen Wirtschaftspresse soll sich Daimler-Chrysler mit 10 % an dem asiatischen Hersteller beteiligen. Außerdem ist die Zeichnung einer Wandelanleihe vorgesehen. Insgesamt hätte dieses Engagement des deutsch-amerikanischen Automobilkonzerns ein Volumen von umgerechnet rund 400 Mill. $.

Daimler-Chrysler wird in den nächsten Wochen 34 % des Kapitals des japanischen Automobilherstellers Mitsubishi Motors übernehmen; Mitsubishi hält selbst eine Beteiligung von 2,1 % an Hyundai Motor. Weitere knapp 3 % besitzt das Universalhandelshaus Mitsubishi, das in Deutschland an der Vertriebsorganisation von Hyundai beteiligt ist.

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