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04.07.2000

13:37 Uhr

Konkurrenz zur deutsch-britischen Börsenfusion spürt Rückenwind

Euronext bekommt langsam Konturen

Die Verbundbörse zwischen Paris, Amsterdam und Brüssel nimmt Gestalt an. Die Kooperationspartner legten gestern ihren aktuellen Verhandlungsstand vor. Auch wenn Details etwa zu Clearing oder Kosteneinsparungen fehlten: Die Verantwortlichen sind zuversichtlich, neben der deutsch-englischen Konkurrenz bestehen zu können.

sen BRÜSSEL. Schon im September soll es soweit sein: Dann steht die Verbundbörse Euronext unwiderruflich fest, mit den Handelsplätzen Paris, Amsterdam und Brüssel. Besiegelt wird die Allianz durch den gegenseitigen Austausch der Börsenanteile (Parisbourse, AEX, BXS).

Am 3. Juli 2000 legten die Börsenchefs der Hauptstädte ihren gemeinsamen Verhandlungsstand über den pan-europäischen Handelsplatz vor. Sie listen demnach sektoral nach Top-Werten (Blue Chips) mit zwei Indizes, dem Top-100 und dem Top-150-Index sowie nach Wachstums- und Technologiewerten im "Next economy"-Index. Kleinere und mittlerer Traditions-Unternehmen laufen im M'Prime-Index, sagte der Pariser Börsenchef Jean François Theodore in Brüssel.

Fünf Arbeitsgruppen hatten in mehrtägigen Treffen das Börsengerüst ausgearbeitet. "Euronext ist jetzt mehr als eine Vision", erklärte Theodore. In Anspielung auf die Börsenfusion Frankfurt-London (iX) erklärte er, die deutsch-britische Konkurrenz brauche jetzt wohl etwas "Nachspielzeit". Fußballerisch ließen sich die Euronext-Ergebnisse durchaus mit einem "Golden Goal" vergleichen. Mit iX werde nicht über eine gemeinsame Handelsplattform verhandelt, wohl aber weiter mit der New York Stock Exchange.

Dem vorgelegten Zeitplan zufolge soll für 1 400 Unternehmen im zweiten Quartal 2001 gemeinsame Handelsregeln vorliegen. Im dritten Quartal sei mit "Clearing 21" auch die Handelsabwicklung operabel (vollständig nach französischem Recht). Mit den nationalen Abwicklern Euroclear (Paris), Necigef (Amsterdam) und CIK (Brüssel) werde ein einheitliches System entstehen. Details über das sogenannte Clearing blieben die Börsenchefs allerdings schuldig.

"Wir befinden uns auf einer Schnellstraße."

Auf den Einwand, dass Euronext ursprünglich bereits Anfang 2001 eine gemeinsame Handelsplattform bekommen sollte, reagierte Theodore gelassen: "Wir befinden uns auf einer Schnellstraße". Der Angereiste aus Paris wird als Chef gemeinsam mit den jetzigen Börsenchefs Olivier Lefebvre (Brüssel) und George Moller (Amsterdam) das Management oberhalb des Exekutiv-Ausschusses der zukünftigen Börse bilden. Der Niederländer Jan-Michiel Hessels wird die Euronext-Marktaufsicht leiten. Bedeckt hielt sich Lefebvre über sinkende Kosten für Anleger. Er nannte keine prozentualen Vorteile. Jedoch würden "riesige Einsparungen erzielt", fügte Theodore hinzu. Als Unternehmen muß Euronext noch die Kartellprüfung durch die Europäische Kommission sowie die nationalen Aufsichtsbehörden bestehen. Aus der Fusion der Börsen AEX (823 Werte), BXS (298 Werte) und Parisbourse (1 178 Werte) würde Euronext mit einer Marktkapitalisierung von 2,7 Mrd. Euro hervorgehen (Stand: Ende Juni). Ginge es nach den Börsenchefs, würde Euronext als Aktiengesellschaft an der eigenen Börse, also bei Euronext notiert, "unter spezieller Aufsicht", so Theodore über die Erfolgsaussichten. Als Vorteil von Euronext nannte Lefebvre den "multi-rechtlichen Zugang". Börsenwilligen Unternehmen werde erlaubt, unter juristisch-nationalen Bedingungen pan-europäisch gelistet zu werden.

Am 3. Juli 2000 wurde auch der vorläufige "Euronext 100 Index" vorgestellt. Angeführt wird die Liste von France Telecom mit einer Marktkapitalisierung von 160 Mrd. Euro, gefolgt von Royal Dutch mit 141 Mrd. Euro und Total Fina Elf mit 122 Mrd. Euro.

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