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29.01.2003

07:55 Uhr

Konkurrenzdruck wächst durch neue Wettbewerber – Mehr Zulieferer vor Ort

In China spitzt Volkswagen den Rotstift

Der VW-Konzern verlässt sich in China verstärkt auf die Unterstützung lokaler Zulieferer. Damit senkt das deutsche Unternehmen die Kosten in der Fertigung deutlich und verbessert seine Wettbewerbsposition.

mg SCHANGHAI. Volkswagen muss in China die Schlagzahl erhöhen und die Kosten senken. Nur mit verstärkten Anstrengungen kann der Wolfsburger Konzern seine Marktführerschaft gegen den Druck neuer Konkurrenten verteidigen (VW-Marktanteil: 46 %). Hohe Wachstumsraten kennzeichnen den chinesischen Automarkt, im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge verkauft.

Neu in Europa vorgestellte Modelle sollen in Zukunft auf jeden Fall schneller als bisher auf dem chinesischen Markt erscheinen. VW-Produktionsvorstand Folker Weißgerber kündigte gestern bei der Eröffnung eines Getriebewerkes in Schanghai an, der neue Golf - in Deutschland im Herbst zu sehen - werde nach der Markteinführung in Europa auch in China produziert. In Konzern ist allerdings zu hören, zunächst werde noch in diesem Jahr mit der Fertigung des aktuellen Golf-Modells begonnen. Das lässt darauf schließen, dass der neue Golf erst später nach China kommen wird.

Der seit 1980 in Brasilien hergestellte Kleinwagen Gol, mit dem die Wolfsburger in das stark wachsende Segment der Kleinwagen unter 12 000 $ in China einsteigen wollen, wird seit ein paar Tagen in Schanghai produziert. Weißgerber bestätigte, dass VW zusätzlich über die Einführung eines Kleinwagens unterhalb des Gol nachdenke. Mehr noch, auch ein Minivan soll in China in absehbarer Zeit gefertigt werden. "Wir haben vor, ein solches Auto hier in den Markt zu bringen", sagte der deutsche Manager. VW konnte seine Verkaufszahlen in China im vergangenen Jahr um 42 % steigern, währen der Pkw-Markt insgesamt um 56 % wuchs.

Volkswagen muss sich auf neue Konkurrenten einstellen: Im ersten Jahr nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO und der damit verbundenen Marktöffnung hatten Autohersteller aus den USA, Japan und Frankreich angekündigt, in China Milliarden für neue Autofabriken ausgeben zu wollen. Bei anhaltendem Preiswettkampf erhöht sich deutlich das Innovationstempo. Nach 20 neuen Modellen in 2002 sollen dieses Jahr mindestens 30 neue Autos auf den Markt kommen.

Der verschärfte Wettbewerb erhöht den Kostendruck - das gestern eröffnete Getriebewerk besitzt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle für VW. Es ist das erste Werk in China, an dem VW die Mehrheit hält (60 %). Dank eines hohen Anteils lokaler Fertigung ("local content") wird das neue Werk nach VW-Angaben bei den Kosten Weltmarktniveau erreichen. "Der Preisindex war vor Chinas WTO-Beitritt 30 Prozent höher als jetzt", bekräftigte Weißgerber. Durch eine Steigerung des "local content" will VW in Zukunft auch stärkere Wechselkurs-Schwankungen ausgleichen. Möglicherweise wird VW auch ein weiteres Autowerk in China in Betrieb nehmen.

Die VW-Tochter Audi meldet für China im Jahr 2002 satte Zuwachsraten, der Umsatz nahm um 87 % zu. Vom Topmodell A6 wurden knapp 35 000 Exemplare verkauft. BMW meldet für das vergangene Jahr im Großraum China - Hongkong und Taiwan eingerechnet - den Verkauf von 15 400 Autos, ein Plus von mehr als 41 %. In der Volksrepublik allein betrug der Zuwachs 61 %. Knapp 8 000 Autos der Marke Mercedes hat der Daimler Chrysler-Konzern - im vergangenen Jahr im Reich der Mitte verkaufen können.

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