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15.01.2003

08:48 Uhr

Konsolidierung kommt nur langsam voran

Und ewig flirten die Bausparkassen

VonBrigitte Bertram (Handelsblatt)

Die Baufinanzierer stehen unter großem Kostendruck. Mit Kooperationen und Fusionen könnten sie ihre Effizienz steigern. Doch der Heiratsmarkt steckt voller Tücken - vor allem für große Bausparkassen.

FRANKFURT/STUTTGART. Vor vier Jahren gab es 32 Bausparkassen in Deutschland, heute sind es noch 25. Das Tempo der Konsolidierung hat sich verlangsamt, könnte aber bald wieder anziehen. "Langfristig werden nur einige gut aufgestellte Bausparkassen übrig bleiben", sagt Schwäbisch-Hall-Chef Alexander Erdland. Das Tempo der Strukturbereinigung hänge davon ab, wie sehr die Eigentümer der Bausparkassen in den nächsten Jahren auf Gewinne Wert legen. "Wird dort eine höhere Profitabilität verlangt, geht es schneller", sagt Erdland.

Finanzexperten blicken derzeit besonders auf das Spitzentrio der drei großen Bausparkassen Schwäbisch Hall, BHW und Wüstenrot. Alle drei Konzerne veröffentlichen in den nächsten Tagen ihre Zahlen. Als attraktivste Braut gilt das BHW, da dessen Großaktionär Beamtenbund sich zurückziehen möchte. Die zweitgrößte deutsche Bausparkasse BHW würde Marktführer Schwäbisch Hall ebenso gefallen wie Wüstenrot, der Nummer drei.

Doch über Planspiele und Gespräche ist das Werben bislang nicht hinaus gekommen. Denn der BHW-Hauptaktionär Beamtenbund hält 37 % der Anteile, von denen er nur einen Teil verkaufen will. Für einen Käufer ist aber nur der Mehrheitserwerb interessant. Doch das ist schwierig: Denn auch der zweite Großaktionär, die Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften AG (BGAG) sei allenfalls bereit, ihr Paket von 39 % auf 25 % plus eine Aktie zu reduzieren, sagte ein BGAG-Sprecher. Der niedrige Börsenkurs der BHW - in 2002 fiel die Aktie rund 70 % auf 8,50 Euro - ist ein weiteres Verkaufshindernis. Für den Beamtenbund komme ein Verkauf bei dem aktuellen Kursniveau nicht in Frage, sagte am Dienstag ein Vertreter des Beamtenbundes. "Wir haben Zeit und werden kein Vermögen verschleudern." Schon vor gut einem Jahr wurde das Beamtenbund-Paket der Württembergische und Wüstenrot AG (W&W) angeboten. Zwar hat sich Vorstandschef Gert Haller mit dem Angebot beschäftigt, wie aus W&W-Kreisen zu hören ist. Für BHW wäre W&W wegen der Tochter Württembergischen Lebensversicherung interessant. BHW sucht seit langem einen Lebensversicherer. Außerdem hätte Wüstenrot mit einem Bauspar-Marktanteil von 11% zusammen mit BHW (12%) fast zu Schwäbisch Hall aufrücken können. Der Branchenführer verkauft heute jeden vierten Bausparvertrag in Deutschland. Gescheitert ist letztlich ein Zusammenrücken daran, dass W&W keine Aussicht auf eine Mehrheit bei BHW hatte. "Es gibt aktuell keine Gespräche mit BHW", so ein W&W-Sprecher. Weil der Beamtenbund seine Aktien auch anderswo nicht platzieren konnte, musste er 2002 den Weg einer Börsenplatzierung versuchen, der aber am niedrigen Kurs scheiterte.

Auch für Schwäbisch Hall wäre BHW sehr attraktiv. Hier gibt es jedoch andere Hürden: Der Baufinanzierer gehört in den Verbund der genossenschaftlichen Banken. Mehrheitseigentümer ist die DZ-Bank. Die Genossen müssten Schwäbisch Hall einen weiteren Vertriebsweg neben den Volks- und Raiffeisenbanken erlauben, was ein heikles Thema ist. "Das ist Sache der Eigner", heißt es dazu bei Schwäbisch Hall. Allerdings gab es zwischen Schwäbisch Hall und BHW Gespräche über eine IT-Kooperation. Daraus ist aber nichts geworden. Auch bei BHW sagte ein Sprecher, Fusionen oder Kooperationen seien derzeit kein Thema.

Das Thema Fusionen wird in der Branche derzeit nicht hochgehängt. "Die kleineren Bausparkassen sind alle in der Hand von Versicherungen oder Finanzkonzernen", heißt es dazu bei W&W. Schwäbisch Hall-Chef Erdland rechnet mit einer Annäherung der Branche erst einmal über Kooperationen im so genannten Backoffice, etwa der Abwicklung von Bausparverträgen. "Der Kostendruck ist enorm, die Bausparkassen müssen wie die Banken die Fertigungstiefe verringern", sagt er.

Schon jetzt zeichnet sich der Trend ab, dass die Bausparkassen ihre Datenverarbeitung und die Kreditabwicklung ausgründen, um diese Dienstleistung fremden Firmen anzubieten oder sie abzugeben. Die Nase vorn haben hier die Genossen mit ihrem VR Kreditwerk, das seine Dienste bisher der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der DG Hyp anbietet. Konkurrent Badenia AG, die Nummer vier unter den privaten Bausparkassen, zeigt Interesse, heißt es in Arbeitnehmerkreisen.

Auch die BHW bietet die Dienstleistungen ihrer Kreditfabrik Dritten an. Derzeit nutzten die Schweizer Rentenanstalt sowie einige Post -, Spar- und Darlehensvereine das Angebot, sagte der BHW-Sprecher.

Es gibt eine weitere Annäherung: Schwäbisch Hall bringt seine verlustreiche ungarische Tochter in eine Gemeinschaftsfirma mit Wüstenrot ein.

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