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10.07.2000

18:19 Uhr

Der Telekomindustrie kann es derzeit nicht schnell genug gehen - sie setzt weltweit auf die Geschwindigkeit des Lichts. Mit den Lichtwellenleitern und den damit verbundenen Techniken, im englischen Fachjargon "Fiber Optics" (Glasfasertechnik), befassen sich daher nicht nur die Physiker und Nachrichtentechniker, die die neuen Herausforderungen meistern wollen. Auch die Wall Street, die hier einmal mehr das große Geld wittert, lässt Fiber Optics nicht ruhen.

Dabei geht es wieder einmal um die auf Technologiemärkten immer wieder beschworene Geschwindigkeit der Markteinführung von neuen Produkten. Unter der Maxime "Time to market" wird auch der jüngste Deal auf dem Glasfasermarkt vorangetrieben. Nur der weltweit stark steigende Bedarf an Datenleitungen erklärt die stolze Summe von 41 Milliarden Dollar, die JDS Uniphase Corp. für die Übernahme des Lokalrivalen SDL Inc. ausgeben will - wenn auch "nur" in eigenen Aktien. Dem SDL-Marktwert von 22 Milliarden Dollar steht zurzeit ein Quartalsumsatz von läppischen 72 Millionen Dollar gegenüber. Doch wenn es um die Infrastruktur für das Internet und die Telekommunikation geht, wird jeder Preis gezahlt.

Beide Unternehmen sind in der Silicon-Valley-Hauptstadt San Jose angesiedelt und auf Entwicklung und Herstellung von Komponenten für Glasfasernetze spezialisiert. Der Druck zu raschem Handeln kam vom Konkurrenten Corning, der bereits sein Interesse an der Übernahme von SDL bekundet hatte. Dies hätte den New Yorkern einen wichtigen Brückenkopf im Silicon Valley garantiert, was JDS Uniphase? aggressiver neuer Chef Jozef Straus auf jeden Fall verhindern wollte.

Das im vergangenen Jahr aus einer Fusion der Uniphase Corporation mit JDS Fitel entstandene High-Tech-Unternehmen war zunächst nur Insidern bekannt. Erst Anfang dieses Jahres entdeckten die Wall-Street-Analysten den Newcomer. Die Übernahme von E-Tek Dynamics für 15 Milliarden Dollar wurde von den Marktbeobachtern dann endgültig als ein untrügliches Zeichen der rasch wachsenden Bedeutung von Firmen der Glasfasertechnik erkannt.

Wurde das Wettrennen um Fiber Optics bis dahin eher von den großen Drei - Nortel Networks, Lucent Technologies und Cisco Systems - ausgetragen, so zeigte die erst vor kurzem abgeschlossene E-Tek-Akquisition, dass in diesem Marktsektor auch immer wieder neue Mitbewerber auftauchen. Wie bei den Telekomdiensteanbietern im vergangenen Jahr plötzlich Newcomer wie beispielsweise die US-Konzerne Qwest und Global Crossing weltweite Beachtung fanden, zeigt sich seit Anfang dieses Jahres eine ähnliche Zunahme bei den Entwicklern und Herstellern der wichtigen technischen Komponenten für den viel versprechenden Glasfasermarkt. Neben Technologien für den boomenden Mobilfunkmarkt sind Glasfasernetze unersetzliche Komponenten für die Bewältigung der weltweit riesigen Datenströme.

Mit der sich nun anbahnenden Konsolidierung des Glasfasermarktes tauchen - zwangsläufig - auch die ersten kartellrechtlichen Fragen auf. Bereits bei seinem Deal mit E-Tek Dynamics musste JDS Uniphase Zugeständnisse an die argwöhnischen Kartellwächter des Justizministeriums machen. Die geplante 41-Milliarden-Dollar-Akquisition zur Übernahme von SDL wird die Aufseher nun noch misstrauischer machen.

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