Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2003

14:36 Uhr

Konsolidierungsprozess in Videospieleindustrie

Heißer Kampf um Sega entbrannt

Der Kampf um den japanischen Videospiele-Konzern Sega hat sich verschärft. Konkurrent Namco hat dem taumelnden Unternehmen Gespräche über eine Fusion angeboten. Durch einen Zusammenschluss der Erfinder der Computerhelden "Pac-Man" und "Sonic the Hedgehog" entstünde der größte Anbieter von Spieleautomaten Japans mit einem Jahresumsatz von rund 350 Milliarden Yen (2,7 Mrd Euro).

HB/dpa. Namcos Vorstoß fordert die im Februar verkündeten Fusionspläne von Sega mit dem Flipperhersteller Sammy heraus. Daneben waren kürzlich auch die beiden US-Softwaregiganten Electronics Arts und Microsoft als potenzielle Bieter für Sega ins Gespräch gekommen.

Der Kampf um Sega findet zu einer Zeit statt, in der sich die 20 Mrd. Dollar schwere Videospieleindustrie in einem umfassenden Konsolidierungsprozess befindet. Rasant steigende Kosten für immer ausgefeiltere Spiele für Hightech-Konsolen, die in der Branche auf durchschnittlich 300 Mill. Yen pro Titel und 5 Mrd. Yen für Top-Spiele veranschlagt werden, setzen die Entwickler zunehmend unter Druck, ihre Kräfte durch Fusionen zu bündeln. Das intensiver werdende Ringen um Sega könnte Experten zufolge die Neuordnung in der gesamten Spieleindustrie im In- wie im Ausland weiter beschleunigen.

Vor diesem Hintergrund hatten sich in diesem Monat auch die beiden Hersteller von Spielesoftware Square und Enix zusammengeschlossen. Die Nachricht von Namcos Fusionsangebot an Sega löste unter den Investoren Begeisterung aus. Das Unternehmen, das Medienberichten zufolge unter Bankschulden von fast 80 Mrd. Yen ächzt und in den vergangenen Jahren Jahren wiederholt rote Zahlen schrieb, gehörte einst zu den drei führenden Spiele-Konsolenbauern Japans. Doch Sega konnte mit seiner "Dreamcast"-Konsole nicht gegen die heftige Konkurrenz der Top-Rivalen Sony und Nintendo mithalten. Seit dem Flop mit Dreamcast hat sich Sega aus der Produktion von Heim-Spielegeräten zurückgezogen und konzentriert sich jetzt auf Software und das Spielhallengeschäft.

In diesem Bereich ist auch Namco sehr stark. Genau deswegen aber gibt es unter einigen Analysten auch Zweifel an einem auf bis zu 128 Mrd. Yen geschätzten Deal zwischen Namco und Sega. In vielen Geschäftsbereichen wiesen die beiden Unternehmen Überlappungen auf, weswegen es Zweifel an den Synergieeffekten gibt. Bei Namco ist man dagegen der Ansicht, dass es für Sega mehr Synergien mit Namco als mit Sammy gebe. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" würden beide Unternehmen unter dem Namen von Sega operieren und unter anderem ihre Softwareentwicklung konsolidieren.

Man habe mit Sega seit vergangenem Jahr über eine Ausweitung der Beziehungen einschließlich einer Fusion gesprochen, hieß es bei Namco. Die Gespräche waren aber später ausgesetzt worden. Im Februar gab Sega dann bekannt, dass man sich zum 1. Oktober mit Sammy zusammenschließen wolle. Bei Sammy ist man zuversichtlich, dass die Gespräche trotz Namcos Gegenangebot weitergehen werden. Ob Namco, Sammy oder gar die US-Konzerne Electronic Arts und Microsoft am Ende das Rennen machen werden, bleibt abzuwarten. Je mehr Angebote Sega bekommt, desto mehr Optionen hat es, sich für den besten Deal zu entscheiden, sagte ein Analyst der Wirtschaftsagentur Bloomberg.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×