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14.06.2000

17:11 Uhr

Konsortialbank will Unternehmen neu bewerten

Abit enttäuscht die Aktionäre

Die Abit AG, ein Anbieter von Inkasso-Software, hat ein Loch in der Kasse. Der Vorstand spricht von "leichten Verunsicherungen", Händler finden deutlichere Worte.

Reuters MEERBUSCH. Der seit Februar am Neuen Markt gelistete Anbieter von Inkasso Abit AG-Software scheint die selbst gesteckten Geschäftsziele nicht zu erreichen. Neben dem wenig erfolgreich angelaufenen Geschäft mit der internetbasierenden Software "e-Inkasso" seien auch im angestammten Geschäft mit Softwarelösungen im Forderungs- Management "leichte Verunsicherungen" entstanden, sagte Vorstandsmitglied Volker Neuwirth am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Abit brachen am Mittwoch an der Börse ein, nachdem das Unternehmen am Vorabend für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von 13 Mill. DM nach einem Vorjahresverlust von 300 000 DM ausgewiesen hatte. Der Umsatz ging auf 13 Mill. DM von 15,9 Mill. DM zurück.

Statt Mittelstand sollen jetzt Großkunden umworben werden

Neuwirth bezeichnete die jetzige Situation als "Worst Case". Nachdem sich die internetbasierte Software für das Forderungsmanagement im Mittelstand nicht wie erwartet verkaufen ließ, will Abit nach den Worten Neuwirths jetzt auf ein neues Produkt für Großkunden setzen. Für die Geschäftslage nach den ersten neun Monaten sei jedoch nicht allein der ausbleibende Erfolg von "e-Inkasso" verantwortlich. Es hätten sich auch in den anderen Sparten unerwartete Schwierigkeiten ergeben. Zum einen hätten sich einige Großprojekte verschoben, die somit erst im kommenden Geschäftsjahr positiv zu Buche schlagen würden. Gleichzeitig sei die Abit-Software nicht in allen Fällen mit den bestehenden Systemen der Kunden kompatibel, so dass sich auch dort Verzögerungen ergäben.

Abit war von der DG Bank bei ihrem Börsengang begleitet worden. DG Bank-Sprecher Uwe Wulf sagte, dass das Unternehmen einer strengen Prüfung unterzogen worden sei. Nach der Vorlage der jüngsten Zahlen müsste das Unternehmen jedoch einer neuen Bewertung unterzogen werden. Abit hatte anlässlich des Börsengangs sein Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr wegen des erhofften Mehrumsatzes für das Softwareprodukt "e-Inkasso" auf rund 38 Mill. DM von dem bis dato prognostizierten Ziel von 33 Mill. DM angehoben.

Aktienhändler zeigten sich verärgert über die Informationspolitik des Unternehmens. "Für das Gesamtjahr hatte Abit 38 Mill. DM angekündigt - das riecht schon fast nach Anlagebetrug", sagte ein Börsianer. Neuwirth wies den Vorwurf als unbegründet zurück.

Der Aktienkurs der Gesellschaft setzte seine Talfahrt am Mittwoch fort und fiel bis zum Nachmittag um mehr als 30 % auf 38,29 Euro. Nach der Börseneinführung im Februar zu 27 Euro waren Abit noch auf ein Jahreshoch von 225,50 Euro gestiegen. Analysten hatten diesen Höhenflug vor allem mit Fantasie für den "e-Inkasso" begründet. In der vergangenen Woche hatte das Unternehmen dann erklärt, dass der Absatz hinter den Erwartungen geblieben sei. Dies löste die Talfahrt aus. Analysten sprachen von einer indirekten Gewinnwarnung.

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