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04.07.2000

08:38 Uhr

dpa TOKIO. Das wirtschaftliche Klima in Japan hat sich deutlicher aufgehellt als von Experten erwartet. Dem am Dienstag von der Zentralbank veröffentlichten Quartalsbericht zufolge gab es unter den großen Industrieunternehmen im Juni erstmals seit fast drei Jahren mehr Optimisten als Pessimisten. Der Index der Konjunkturerwartungen sprang auf plus drei nach minus neun im März. Finanzminister Kiichi Miyazawa gab sich dennoch vorsichtig: Der Bericht sage weder etwas über das Einkommen der Bürger noch über ihre Konsumhaltung aus. Der Privatkonsum aber ist von zentraler Bedeutung, da er in Japan zu etwa 60 % zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Bisher hatte er zur Stützung der Konjunktur noch nicht ausgereicht.

Nur die Zahlen zum Wirtschaftswachstum könnten Aufschluss darüber geben, ob die Deflationsängste in Japan verschwinden, wurde Miyazawa zitiert. Dies wurde von manchen als Wink an die Adresse der Zentralbank gedeutet, erst die im September anstehenden Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Quartal April bis Juni abzuwarten, bevor man über eine mögliche Aufhebung der Nullzinspolitik entscheidet. Die Bank of Japan hatte in den vergangenen Monaten mehrmals verlauten lassen, ihre Nullzinspolitik aufzuheben, sobald die Deflationsängste verschwunden seien. Die Furcht vor einer solchen Maßnahme trug dazu bei, dass die Tokioter Börse am frühen Dienstag trotz des positiven Zentralbankberichts deutlich im Minus tendierte.

Der weltweit beachtete "Tankan"-Bericht der Bank of Japan wertete eine Vielzahl ökonomischer Daten von 9 130 Unternehmen aus und stellt eine umfassende Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht dar. Danach verbesserte sich die Stimmung in den Manageretagen nunmehr im sechsten Monat in Folge. Dazu trägt in erster Linie der Investitionsboom im Informationstechnologie (IT)-Sektor sowie die gute Entwicklung des Außenhandels bei. Der Bericht zeigt auch, dass die großen Industrieunternehmen ihre Investitionspläne für das laufende Geschäftsjahr mit einem Zuwachs von 4,6 % gegenüber der letzten Umfrage aufgestockt haben. Damals wollten sie ihre Ausgaben für Anlagen und Ausrüstungen noch um 0,6 % kürzen.

Das wirtschaftliche Klima in Japan habe sich insgesamt verbessert, wurde der Chefstatistiker der Zentralbank, Shosaku Murayama, zitiert. Allerdings zeigt die Umfrage auch, dass die Entwicklung bei der Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen langsamer verläuft als bei den Großunternehmen des Landes. So wollen kleinere Firmen ihre Investitionen um 7,6 % kürzen, nach zuvor noch prognostizierten 6,8 %. Mittlere Firmen planen eine Drosselung um 2,1 %, nachdem sie in der März-Erhebung noch einen Anstieg von 0,5 % angegeben hatten. Die Umstrukturierungen verliefen bei großen Unternehmen offenbar schneller, sagte Finanzminister Miyazawa.

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