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04.02.2001

19:46 Uhr

Konsumwerte liefern sich spannenden Abstiegskampf im Deutschen Aktienindex

Adidas und Karstadt zittern vor der Post

VonMichael Maisch

Schon bald wird es im Deutschen Aktienindex (Dax) aller Voraussicht nach einen Konsumwert weniger geben. Adidas oder Karstadt, einer von beiden muss wohl seinen Platz für die Deutsche Post räumen. Die Investoren tippen auf Adidas, doch für die Analysten ist die Abstiegsfrage noch völlig offen.

FRANKFURT/M. Bis zum 14. Februar müssen Karstadt-Quelle und Adidas Salomon noch bangen. Dann entscheidet der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse, wer Mitte März für die Post Platz im Dax machen muss. Der Aufstieg des Bonner Konzerns ist zwar noch nicht beschlossene Sache, doch formal hat die Post die Aufnahmekriterien für den exklusiven Klub der 30 wichtigsten deutschen Aktien bereits erfüllt. Dafür müsste dann der "kleinste" Dax-Wert ausscheiden, und hier haben Adidas und Karstadt die schlechtesten Karten.

Entscheidend für die Mitgliedschaft im Dax sind Umsatz und Börsenkapitalisierung. Auf der am Donnerstag Abend veröffentlichten Januar-Rangliste der Deutschen Börse, die für die nächste Index-Anpassung maßgeblich ist, rückte die Post mit einer Kapitalisierung von 13 Mrd. und einem Umsatz von 7,6 Mrd. auf die Plätze 19 und 23 vor. Adidas belegt nur noch die Ränge 42 und 28, Karstadt-Quelle steht an 37. und 31. Stelle. Eigentlich steht die reguläre Dax-Überprüfung erst im August an, doch da die Post unter die 25 größten Werte vorgestoßen ist, hat sie sich außer der Reihe für den Aufstieg qualifiziert. Zwar handelt es sich dabei um eine "Kann-" und keine "Muss-Regel", doch nach Einschätzung von Stephan Appelhans, Indexexperte bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, "gibt es keinen plausiblen Grund der Post einen Dax-Platz zu verweigern". Auch für Carsten Hilck von der Fondsgesellschaft Union Investment "spricht nichts gegen den Aufstieg" des Bonner Konzerns.

Die Postaktie konnte am Freitag nur leicht von der guten Nachricht profitieren. Am Vormittag stieg der Kurs zwar auf ein neues Rekordhoch von 24,78 , gab dann aber wieder auf 24,18 nach. Eindeutiger fiel die Börsenreaktion in der Abstiegsfrage aus. Während der Adidas-Kurs um mehr als 5 % fiel, verloren Karstadt-Quelle nur 0,4 %.

Für Fondsmanager Hilck ist damit allerdings noch nichts entschieden. Gegen Karstadt-Quelle spricht seiner Meinung nach die geringe Zahl frei handelbarer Aktien. Mitte 2002 will die Börse ihre Marktbarometer auf den Streubesitz (Free Float) umstellen. Da nur 36 % der Karstadt-Aktien frei handelbar sind, käme der Handelskonzerns dann nur noch auf ein Drittel seiner heutigen Kapitalisierung. Bei Adidas liegen dagegen 90 % der Aktien in Streubesitz. "Wenn die Börse vorausschauend ist, berücksichtigt sie den hohen Free Float von Adidas", argumentiert Hilck. Dagegen betont Appelhans, dass die Streubesitzregel erst im kommenden Jahr greift. Die Börse habe den Konzernen eine Schonfrist eingeräumt. Daher wäre es nicht korrekt, den Free Float bereits jetzt zur Entscheidungsgrundlage zu machen. Dass beide Werte ihren Platz räumen müssen, halten Hilck und Appelhans für sehr unwahrscheinlich. Denn im Gegensatz zur Post hat der Finanzdienstleister MLP, der seit geraumer Zeit als Dax-Anwärter gilt, den Sprung unter die ersten 25 knapp verpasst. Allerdings räumen die Indexexperten MLP bei der regulären Dax-Überprüfung im Sommer gute Aufstiegschancen ein.

Auf seiner Februar-Sitzung wird der Arbeitskreis auch den MDax (Nebenwerte), den Nemax-50 (Neuer Markt) und den SDax (Kleintitel unter die Lupe nehmen. In den MDax könnten der Finanzdienstleister AWD, Stada Arzneimittel, Norddeutsche Affinerie und Salzgitter aufrücken. Abstiegssorgen müssen sich Tarkett Sommer, KSB und Holzmann machen. Im Nemax-50 gelten Lambda Physik, SAP SI und Morphosys als Favoriten für den Aufstieg. Gauss Interprise, Edel Music und Constantin droht dagegen der Verweis aus dem Nemax-50.

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