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02.01.2002

16:50 Uhr

Kontinuierliches Wachstum macht den Heizungsbauer zum Übernahmeobjekt

Buderus ist eine heiße Braut

VonJens Koenen

Vor acht Jahren entließ die damals marode Metallgesellschaft die Buderus AG in die Eigenständigkeit. Seitdem ist deren Ergebnis je Aktie jährlich im Schnitt um 20 Prozent gewachsen. Eine klare Markenstrategie und straffes Kostenmanagement sind der Erfolgsgarant, locken aber zugleich Kaufinteressenten.

WETZLAR. Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten - davon kann das Management der Buderus AG in Wetzlar ein Lied singen. Das seit Jahren stetige Wachstum hat den Heizungsbauer zu einem attraktiven Übernahmeobjekt werden lassen. Nachdem vor zwei Jahren der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger AG bei dem Wetzlarer Unternehmen eingestiegen ist, bekundet nun auch die Stuttgarter Bosch - Gruppe Interesse an einer Übernahme - sehr zum Unmut des Vorstands.

Die heiß begehrte Braut Buderus lockt vor allem mit kontinuierlich soliden und guten Zahlen. Seit 1993 ist das Ergebnis je Aktie im Schnitt um jährlich 20 % gestiegen. Die Dividende verbesserte sich im gleichen Zeitraum um 11 % per annum. Für Michael Benedikt von der Bank Julius Bär AG zählt Buderus damit zu den "profitabelsten börsennotierten Unternehmen im europäischen Bausektor".

Damit nicht genug. Der seit ein paar Wochen amtierende neue Vorstandschef Uwe Lüders will das Wachstum in den kommenden Jahren beschleunigen. Das bis dato eher magere interne Umsatzplus von 0,5 % pro Jahr soll auf durchschnittlich 5 % wachsen. Zudem sollen Akquisitionen für Umsatzsteigerungen um weitere 5 % sorgen.

"Potenzielle Kandidaten sind Unternehmen, mit denen wir entweder auf der Produktebene oder im Vertrieb Synergien erzielen können", verdeutlicht Lüders seine Strategie. Sein Ziel: Entweder sollen neue Produkte, die über den bestehenden Buderus-Vertrieb verkauft werden, das Angebot von Buderus ergänzen. Oder die Wetzlarer stärken ihren Vertrieb durch Zukauf im Ausland.

Sorgen von Analysten wie Erhard Schmitt von Helaba Trust, der neue Kurs würde nicht nur die Ergebnischancen, sondern auch die-risiken erhöhen, teilt das neue Buderus-Management nicht. Es will das unter Lüders? Vorgänger Hans-Ulrich Plaul nahezu exzessiv betriebene Kostenmanagement trotz der Zukäufe fortsetzen. "Wir wollen Europas Marktführer werden", gibt Lüders das Ziel vor. Bislang steht Buderus im europäischen Heizungsmarkt auf Platz zwei hinter Vaillant-Hepworth. Der Abstand beträgt rund 200 Mill. Euro.

Der Erfolg von Buderus ist auf den ersten Blick überraschend: Immerhin dominiert die vom schwachen Bausektor abhängige Sparte Heizungsprodukte den Umsatz mit einem Anteil von 65 % (Geschäftsjahr 1999/2000). Der Bereich Gusserzeugnisse trägt rund 18 % zu den Erlösen bei, auf die Edelstahlprodukte entfallen 17 %.

Doch Buderus kann gegen den seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend in der deutschen Bauindustrie zulegen, weil der überwiegende Teil der Umsätze mit hochwertigen Austauschgeräten erzielt wird. Dieses Geschäft ist von der allgemeinen Baukonjunktur unabhängig.

Dabei profitiert Buderus von der klaren Ein-Marken-Strategie. Über ein eigenes Großhandelsnetz hat das Unternehmen zudem den direkten Zugriff auf die Endkunden. Darüber hinaus gelten die Buderus-Geräte als technologisch führend. Besonders im Bereich der Hochleistungsanlagen etwa für Mehrfamilienhäuser besitzt Buderus eine gute Position. Das gilt auch für alternative und moderne Heizsysteme wie etwa Solaranlagen, Wärmepumpen oder Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis der Brennstoffzelle. Das treibt die Umsätze, zumal sich viele Kunden angesichts sinkender Emissionsgrenzen bei der Modernisierung von Heizungsanlagen für kombinierte Brennwert- und Solarsysteme entscheiden.

Julius-Bär-Analyst Benedikt ist sich sicher, dass sich das Wetzlarer Unternehmen "auf Grund der eingeschlagenen Strategie sowohl im Inland als auch auf den ausländischen Märkten besser als der Markt entwickeln" wird. "Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es auch bei ungünstigen Marktbedingungen eine deutliche Verbesserung der Rentabilität und Steigerung der Gewinne erzielen kann", erklärt der Analyst .

Kein Wunder also, dass die Interessenten für einen Kauf des Wetzlarer Unternehmens Schlange stehen. Ob am Ende Bosch die neue Heimat von Buderus wird oder der Konzern doch bei Bilfinger bleibt, ist unklar. Eines zeichnet sich aber ab: Bilfinger scheint sich vom Gedanken einer strategischen Zusammenarbeit mit Buderus verabschiedet zu haben. Die Beteiligung wird wohl künftig als reines Finanzengagement angesehen. Für wie lange noch, das ist freilich offen.

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