Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2000

19:32 Uhr

DÜSSELDORF. Die alte Rivalität zwischen Daimler und BMW bekommt neue Nahrung. Während die Stuttgarter durch das Zusammengehen mit Chrysler zu einem der größten Automobilhersteller der Welt geworden sind und eine Jahresproduktion von fünf Millionen Autos anstreben, versuchen die Münchener Konkurrenten nach der Trennung von Rover den entgegengesetzten Weg. BMW gibt sich mit seinen Produktionszahlen viel bescheidener, 800 000 Autos sollen es künftig werden.

Ein Blick auf die Börsenentwicklung zeigt, welches Konzept mehr Erfolg verspricht. Während Daimler-Chrysler in den vergangenen Monaten einen massiven Einbruch seines Aktienwertes hinnehmen musste, freut sich BMW trotz des Rover-Debakels vom Frühjahr über einen ununterbrochen steigenden Börsenkurs. Daimler-Chef Jürgen Schrempp mag sich noch so anstrengen und die Ertragssituation in seinem Unternehmen verbessern. Die Finanzmärkte glauben im Moment nicht an den Erfolg des Unternehmens, da der amerikanische Konzernteil Chrysler auf dem US-Heimatmarkt unter Druck geraten ist.

BMW ist im Frühjahr zu Recht wegen seiner Fehler bei der damaligen britischen Konzerntochter Rover unter Beschuss geraten. Die Münchener erwiesen sich als unfähig, das 1994 übernommene Unternehmen in die schwarzen Zahlen zurückzubringen. Doch davon spricht heute kaum noch jemand. Es fehlt nicht mehr viel, dann hat die BMW-Aktie ihren alten Höchststand von mehr als 43 Euro aus dem Frühjahr 1998 erreicht.

Die Börse reagiert auf die gute Entwicklung der Stammmarke BMW. Die Absatzzahlen der noch recht jungen 3er-Baureihe erreichen Rekordwerte, die leistungsstarken Dieselmotoren aus München setzen zudem neue Maßstäbe in der Oberklasse. Und auch die Pleite bei Rover hat dem Image der Marke BMW nicht geschadet - die Autos aus Bayern sind nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt ein Renner. BMW beweist mit seinem Konzept, dass sich trotz verhältnismäßig kleiner Produktionszahlen gutes Geld in der Autoindustrie verdienen lässt. Der Erfolg der Münchener geht auf die Konzentration auf Ober- und Luxusklasse zurück - auf das Segment mit den höchsten Margen.

Inzwischen geht der eine oder andere neidvolle Blick aus der Stuttgarter Daimler-Zentrale in Richtung München. Der Zusammenschluss mit Chrysler hat das Daimler-Papier viel abhängiger von konjunkturellen Zyklen gemacht, der Glanz von Mercedes bleibt ohne Wirkung auf die Aktie.

Daimler-Aktionären bleibt im Moment nicht viel anderes übrig, als mit viel Geduld auf den lange ersehnten Kursanstieg zu warten. Immerhin hat sich der Titel während der vergangenen Tage leicht nach oben bewegt - aber eben nur leicht. Mit einem rasanten Kursanstieg wie bei BMW ist während der kommenden Monate nicht zu rechnen. Auch die Expansion in Asien mit den Beteiligungen an Mitsubishi und Hyundai wird daran kurzfristig nichts ändern. Mit Ertragssteigerungen, die sich auch positiv auf den Aktienkurs auswirken könnten, ist in Asien erst auf längere Sicht zu rechnen.

Das Beispiel der Luxusmarke BMW zeigt allerdings, dass es kurzfristig eine Alternative geben könnte: den Börsengang von Mercedes-Benz. Aber das würde in Stuttgart niemand wagen, bedeutete das doch das Ende des Konzerns.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×