Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2001

23:00 Uhr

Konzentration auf Investment Banking in Europa

Dresdner Bank gibt Standorte auf

VonSTEFAN KEIDEL

Die Dresdner Bank führt ihre Strategie der fokussierten europäischen Beraterbank unbeirrt fort. Bis Ende 2001 will das Institut fast sämtliche Aktivitäten des kommerziellen Kredit- und Einlagengeschäfts außerhalb Europas aufgeben. Nur noch das Kreditgeschäft soll Bestand haben, das die Kunden der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein berührt, hieß es gestern von der Dresdner Bank.

LONDON. Mit der Schließung von Außenposten in Nordamerika und Asien dürfte sich das Institut insgesamt von 15 Mrd. Euro Kreditgeschäft verabschieden. Kernkapital in Höhe von 1 Mrd. Euro soll bis 2003 freigesetzt werden, was dann für die europäischen Wachstumsinitiativen eingesetzt werden soll.

Mit dem Rückzug verfolgt die Dresdner Bank weiter konsequent den seit Mai 2000 beschrittenen Weg einer fokussierten europäischen Beraterbank mit globaler Ausrichtung. Dafür soll verstärkt am Aufbau der Investment-Sparte mit Dresdner Kleinwort Wasserstein vor allem in Europa und speziell in Deutschland weitergearbeitet werden.

Dresdner Vorstandssprecher Bernd Fahrholz wird von der Bank dahingehend zitiert, dass sich mit dem Ausstieg aus dem Nicht-Kerngeschäft außerhalb Europas der Fokus seines Instituts verstärkt auf ein Kerngeschäft richtet, in dem das Institut über eine "globale Expertise" verfüge und darüber hinaus auf Geschäftsfelder mit "hervorragendem Wachstumspotenzial". "Ich bin davon überzeugt, das unser Schritt die Profitabilität der Dresdner Bank Gruppe steigern wird", wird Fahrholz weiter zitiert.

Geschlossen werden sollen die Dresdner Bank Canada. Die Zweigstellen in Thailand werden ebenso aufgegeben, wie die in Indien. In China konzentriert sich das Institut auf Hongkong und Schanghai. Die Filialen in Shenzhen und Peking fallen dem Rotstift ebenfalls zum Opfer. In Australien soll das operative Geschäft stark heruntergefahren werden. Mit der Konzentration auf die Distribution in Australien hatte das Institut bereits im November letzten Jahres begonnen. Die Schließung der Außenposten außerhalb Europas ist Bestandteil der Restrukturierungs- und Kostenprogramme, ließ das Institut wissen.

Insgesamt sinkt das Kreditvolumen der Dresdner Bank mit den Schließungen um 15 Mrd. Euro. Bis 2003 will Bankchef Fahrholz mit dem Herunterfahren des traditionellen Bankgeschäfts Kernkapital in Höhe von 1 Mrd. Euro freisetzen, was dann für die europäischen Wachstumsinitiativen eingesetzt werden solle. Dies hatte Vorstandssprecher Bernd Fahrholz bereits auf der Hauptversammlung am 19. Mai angekündigt. 80 bis 100 Mill. Euro will das Institut im Jahr durch die Schließungen sparen.

Die Kosten für die nun angekündigten Restrukturierung betragen 200 Mill. Euro. Weltweit sind 600 Mitarbeiter von Entlassungen bedroht. Zusammen mit den Aufwendungen für die Veränderungen im Inland liegen die Kosten dann bei rund 530 Mill. Euro, was nach Informationen des Handelsblatts bereits dem Geschäftsjahr 2000 angelastet wird. Rund 500 Mill. Euro hatte die Dresdner Bank bereits im vergangenen Spätfrühjahr angekündigt.

Außerhalb Europas fokussiert sich die Bank wie im Frühjahr 2000 bereits angekündigt auf das Kerngeschäft, also auf die Kapitalmarktaktivitäten und hier insbesondere auf die Beratung bei Fusionen und Aquisitionen (M & A).

Nach Informationen des Handelsblattes hat die Dresdner Bank im vierten Quartal im Investment Banking wie erwartet weniger Geschäft gemacht als in den drei Quartalen zuvor. Für das Gesamtjahr soll der Gewinn vor Steuern knapp 1 Mrd. Euro betragen. Mit einem Neun-Monats-Ergebnis von 1,002 Mrd. Euro bedeutete dies ein Verlust. Die genauen Zahlen liegen jedoch noch nicht vor.

Dafür soll der Start ins neue Jahr überraschend gut gelungen sein. Für 2001 soll daher nach Informationen des Handelsblatts mit rund 1,25 Mrd. Euro ein höherer Gewinn von der Investment-Banking-Sparte angepeilt sein, als der zu erwartende Gewinn 2000.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×