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25.05.2000

18:54 Uhr

Konzern rechnet nach der Aktien-Emission mit zunächst stark schwankendem Kurs

Givaudan bringt Duft und Geschmack an die Schweizer Börse

Mit kontinuierlichem Wachstum und einer hohen Rendite will die künftig börsennotierte Givaudan die Anleger überzeugen. Der Weltmarktführer bei Aromen und Riechstoffen wird von seinem bisherigen Mutterkonzern Roche mit einer soliden Bilanz in die Freiheit entlassen.

ef ZÜRICH. Die Aktionäre und Genussscheininhaber des Schweizer Pharmakonzerns Roche werden in diesem Jahr besonders verwöhnt: Neben einer höheren Bardividende werden sie am 7. Juni im Verhältnis eins zu eins Aktien der Givaudan SA gratis erhalten. Der Hersteller von Aroma- und Geschmacksstoffen etwa für Parfüms und Nahrung wird vom Roche-Konzern abgespalten und an die Börse gebracht.

Den fairen Wert der Aktien schätzt Henri Meier, Roche-Finanzchef und Verwaltungsratspräsident von Givaudan, auf 450 bis 550 sfr. Bei welchem Preis der Handel der Aktien am 8. Juni einsetzen wird, ist schwierig zu prognostizieren. Meier erwartet zunächst einen äußerst schwankenden Kursverlauf, weil Fondsmanager und andere auf Pharmakonzerne spezialisierte Großinvestoren ihre Givaudan-Aktien verkaufen werden.

Andererseits wird mit einem großen Interesse an den Titeln gerechnet. Helfen dürfte die Tatsache, dass die Aktien von Beginn an in den Schweizer Blue-Chip-Index SMI aufgenommen werden. Neben Givaudan ist die Branche nur noch durch die US-Gesellschaft International Flavours and Frangances (IFF) an der Börse repräsentiert.

Die 1895 gegründet Givaudan wurde von Roche mit der noch etwas älteren Roure SA aus dem südfranzösischen Grasse zusammen geführt. Vor zwölf Jahren war die damalige Roche-Sparte noch recht klein. Durch eine Reihe von Zukäufen wuchs die Gruppe zur heutige Größe. Wichtig war besonders die Übernahme des US-Unternehmens Tastemaker.

Der Konzernumsatz 1999 von 2,22 Mrd. sfr - je zur Hälfte Riechstoffe und Aromen - bedeutete einen Weltmarktanteil von 14 %. Neben Givaudan und IFF zählen das Schweizer Familienunternehmen Firmenich und die ICI-Tochter Quest zu den größeren Unternehmen der Branche.

Sechs Anbieter bilden das Mittelfeld, rund 500 Unternehmen sind in Nischen oder regional tätig. Riechstoffe gehen an Hersteller von Konsumgütern und Luxusparfüms. Aromen werden an Produzenten von Getränken, Süßwaren, Milchprodukten und kulinarischen Feinheiten geliefert. Riechstoffe sind ein globales Geschäft, während bei Aromen auch regionale Unterschiede berücksichtigt werden müssen.

Givaudan ist weltweit präsent. Roche hat dafür gesorgt, dass die Tochter eine gute Mitgift in Form einer modernen Produktionsbasis erhielt. Deshalb werden die Investitionen, die zuletzt auf 165 Mill. sfr gestiegen waren, künftig rückläufig sein. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung steigen dagegen, denn "Kreativität ist im Wettbewerb die entscheidende Vorausetzung für Erfolg", unterstrich Konzernchef Juerg Witmer.

Die Ertragslage hat sich dank der weltweiten Einkaufspolitik und der raschen Integration neuer Gesellschaften stark verbessert. Im vorigen Jahr stieg der Givaudan-Betriebsgewinn von 263 Mill. auf 397 Mill. sfr. Ziel sei es, doppelt so schnell wie der Markt zu wachsen, der pro Jahr etwa um 2 % zulegt.

Deshalb werden auch weitere Zukäufe angestrebt. Mit einem Eigenkapitalanteil von 72,4 % verfügt Givaudan über die notwendige Flexibilität. Zunächst werde die Dividende gering ausfallen, sagte Meier. Erst wenn es Givaudan nicht möglich sei, eine höhere Verzinsung als alternative Anlagen zu erwirtschaften, würde diese Strategie überdacht.

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