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07.02.2002

19:00 Uhr

Konzern will Industrie- und Thermotechnik ausbauen

Bosch geht weiter auf Einkaufstour

VonAndrea Jocham (Brigitte Bertram und Waldemar Schäfer)

Dem weltweit zweitgrößten Automobilzulieferer Bosch macht die schlechte Lage der Autoindustrie zu schaffen. Der Konzern will daher seine restlichen Sparten durch Übernahmen stärken.

STUTTGART. Die Stuttgarter Robert Bosch GmbH stellt sich auf schlechtere Zeiten ein und rechnet mit einem Umsatzminus von 2 % in diesem Jahr. "Die weltweite Automobilkonjunktur hat ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht", begründete Konzernchef Hermann Scholl den Ausblick. Der Konzern wird nur durch die im vorigen Jahr gekaufte Mannesmann-Rexroth AG leicht zulegen können.

Schon das vergangene Jahr ist bei Bosch nicht nach Plan gelaufen. Die Kapazitäten waren nicht ausgelastet, was die Rendite gedrückt hat, und der Jahresgewinn stagnierte. Der Umsatz stieg vorwiegend wegen Konsolidierungseffekten um 8 %. Bosch hat die Investitionen bereits zurückgefahren. Ein genereller Arbeitsplatzabbau sei aber auch in diesem Jahr nicht geplant.

"Bosch steht damit deutlich besser da als die Konkurrenz, die teilweise zweistellige Ergebniseinbrüche hatte", erklärt Analyst Bernhard Jeggle von der Landesbank Baden-Württemberg. Grund: Bosch habe eine ganze Reihe von neuen Produkten, die sich überdurchschnittlich entwickeln.

Trotz der trüben Aussichten in der wichtigsten Sparte Kfz-Ausrüstung hat Bosch große Pläne: Der Konzern will im Schnitt um 8 bis 10 % jährlich wachsen. "Noch schneller soll das nicht-automobile Geschäft zulegen", kündigte Scholl im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Bei Bosch zählen dazu etwa Industrietechnik, Elektrowerkzeuge und Thermotechnik. Ziel sei es, den Anteil dieses Geschäfts am Konzernumsatz von 34 auf 40 % zu steigern. Zugleich will Scholl auch im Geschäft mit der Kfz-Ausrüstung grundsätzlich "weiter Gas geben".

Beim Ausbau der Geschäfte außerhalb der Automobilzulieferung spielen für Bosch Zukäufe vor allem in Amerika und Asien eine wichtige Rolle. Scholl hält den Konzern mit einem Umsatzanteil von 70 % immer noch für zu stark europalastig. "Nur durch Zukäufe lassen sich die Proportionen nennenswert verschieben", sagte er. Bosch ist schon in der Vergangenheit zu 40 % durch Zukäufe und zu 60 % intern gewachsen, erläuterte Finanzchef Claus Dieter Hoffmann.

Nummer eins bei Elektrowerkzeugen

Wichtig sind die Sparten außerhalb der Kfz-Ausrüstung nicht nur wegen der Risikostreuung, sondern auch als Ertragsbringer. Sie erreichten in den vorigen Jahren die im Konzern gewünschte Umsatzrendite von 6 bis 7 % vor Steuern. Die Kfz-Sparte, die sehr hohe Investitionen und Entwicklungskosten für neue Produkte bei der Diesel- und der Benzineinspritzung zu schultern hatte, leidet unter dem Preisdruck der Automobilhersteller. Ihre Rendite liegt derzeit unter 4 %.

In der Industrietechnik hat Bosch im vorigen Jahr mit dem Kauf von Mannesmann-Rexroth einen großen Sprung gemacht. Bei hydraulischen Steuerungen gehört Bosch nun mit einem Umsatz von 3,7 Mrd. ? weltweit zu den führenden Anbietern. Diesen Bereich will Scholl ebenso ausbauen wie die kleine Sparte Verpackungsmaschinen. Mit 350 Mill. ? Umsatz zählt Bosch in dem mittelständisch geprägten Markt zu den großen Spielern.

Im Geschäft mit Gebrauchsgütern ist der Konzern bekannter als in der Automobiltechnik - bei Elektrowerkzeugen etwa sieht sich Bosch als Nummer eins vor Black & Decker. Vor zwei Jahren übernahm Bosch komplett das US-Joint-Venture Vermont American und baute damit die Position bei Zubehör für Elektrowerkzeuge aus. Auf dem US-Markt will auch das Gemeinschaftsunternehmen Bosch-Siemens Hausgeräte durch Zukäufe wachsen.

Im Geschäftsfeld Thermotechnik (Junckers) bleibt Bosch nach den abgebrochenen Übernahmegesprächen mit Großaktionären von Buderus an Übernahmen interessiert. Wachsen will der Konzern zudem im eher kleinen Geschäft mit Breitbandkabelnetzen. Scholl machte aber deutlich, dass man nicht die "treibende Kraft bei der Marktkonsolidierung" spielen wolle.

"Wir sind weiterhin in der Lage, unser Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren", sagte Finanzchef Hoffmann. Börsengänge, etwa mit Tochtergesellschaften, werden allenfalls in Ausnahmefällen erwogen, denn Scholl will sich mit börsennotierten Firmen keine Probleme ins Haus holen. Die heutige zentrale Struktur sei leichter zu führen als eine Holding mit einer Vielzahl von Aktiengesellschaften und Fremdaktionären. "Wir haben nicht die Absicht, uns in Richtung Holding zu entwickeln", sagte Scholl.

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