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29.01.2001

20:00 Uhr

Konzernchef Strube hat Interesse an Zukäufen in Japan

BASF will Chemie durch Übernahmen stärken

Die BASF-Gruppe will ihr Chemiegeschäft verstärken und plant dazu weitere Übernahmen. Das machte Vorstandsvorsitzender Jürgen Strube im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich. Ausbauen will Europas größter Chemiekonzern vor allem den klassischen Chemiebereich sowie die Spezialchemie und die Sparte Pflanzenschutz. Strube: "Bei Insektiziden sind wir weit von dem entfernt, was wir erreichen wollen."

shf/bef LUDWIGSHAFEN. Chancen zum Kauf könne die erwartete Neuordnung der japanischen Chemieindustrie bieten. Ferner bekundet der BASF-Chef Interesse an Teilen der Agrosparte von Aventis, die der deutsch-französische Pharmakonzern abgeben oder an die Börse bringen will. Ein kompletter Erwerb von Aventis Crop Science kommt für die BASF aus kartellrechtlichen Gründen aber nicht in Betracht. "Wenn jemand Teilbereiche verkaufen muss, ist das ein anderes Thema", sagte Strube.

Hintergrund der BASF-Pläne ist der globale Wandel in der Chemieindustrie, der durch Fusionen und Übernahmen sowie durch die Trennung von Geschäftsbereichen gekennzeichnet ist. Viele Unternehmen spürten erst jetzt den Zwang, sich auf Kerngeschäfte zu konzentrieren, sagte Strube. Dies eröffne BASF die Möglichkeit, Pläne zügiger umzusetzen, als es nur mit Wachstum aus eigener Kraft möglich wäre.

Bereits im vergangenen Jahr hat sich der Konzern verstärkt, unter anderem durch die Sparte Superabsorber (Windelfüllungen) des US-Anbieters Chemdal und die Pflanzenschutz-Aktivitäten von American Home Products. Zusätzlichen finanziellen Spielraum dürfte die BASF mit dem geplanten Verkauf ihrer Pharmasparte für 6,9 Mrd. Dollar an den US-Konzern Abbott gewinnen.

Analysten beurteilen die BASF - Pläne als logische Strategie, erinnern aber daran, dass sich viele Zukäufe innerhalb der Branche nicht gerechnet hätten. "Die Investoren werden sehr genau hinschauen, was die BASF mit ihrem Geld macht", sagt Anthony Cox von Dresdner Kleinwort Benson.

BASF hält trotz abkühlender US-Konjunktur an Gewinnziel für 2001 fest

Trotz der sich abzeichnenden Konjunkturschwäche in den USA hält der Chemiekonzern an seinem Gewinnziel für dieses Jahr fest. Zwar bereite die Entwicklung in Amerika Sorgen, sagte Strube; doch mache BASF mehr als die Hälfte des Umsatzes in Europa und sei in der Wachstumsregion Asien durch die jüngsten Investitionen gut aufgestellt.

Deswegen habe der Ludwigshafener Konzern in diesem Jahr bessere Aussichten als die auf den nordamerikanischen Raum fixierte US-Konkurrenz, sagte er. Konkurrenten wie Dupont und Dow Chemical hatten vorige Woche vor einem schwierigen ersten Halbjahr gewarnt. Der BASF-Chef geht von einem sanften Konjunktur-Rückgang in den USA aus und rechnet mit einer guten Wirtschaftsentwicklung in Europa. Entscheidend für die Chemieindustrie wird dabei auch der künftige Ölpreis sein: Strube geht von einem Jahresdurchschnitt von 25 $ pro Barrel aus. Europas größter Chemiekonzern hat es seinen Angaben zufolge in jüngster Zeit häufiger geschafft, die gestiegenen Rohstoffkosten über höhere Preise an Kunden weiterzugeben.

Keine große Gefahr für das Konzernergebnis sieht Strube für den Fall, dass der Kurs des Euros gegenüber dem Dollar weiter steige. Dagegen befürchten Analysten wie etwa die der Investmentbank Goldman Sachs, dass europäische Chemiekonzerne durch die Euro- Stärke auf den Weltmärkten an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. "Die Veränderung des Euro-Dollar-Kurses ist für uns wichtig, aber nicht kriegsentscheidend", sagte Strube. Problematischer für BASF sei, wenn der Eurokurs das Geschäft der Kunden erschwere - etwa das der Automobilindustrie-und damit indirekt das eigene Geschäft.

Strube hält am Ertragsziel seines Konzerns fest. "Wir sind heute so aufgestellt, dass wir die geplante Gewinnsteigerung in diesem und nächsten Jahr erreichen können", sagte er. BASF will das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen um jährlich 10 % steigern. In den ersten neun Monaten des vorigen Jahres gelang eine Steigerung von knapp 23 %.

"Für die Chemieindustrie ist vorerst keien Rezession zu erwarten"

Für Strube entwickelt sich die Chemiekonjunktur weltweit höchst unterschiedlich. Es gebe keine weltweit gleichlaufenden Zyklen mehr. Das Chemiegeschäft stehe vielmehr in enger Beziehung zum Wachstum der jeweiligen Großwirtschaftsräume und sei daher in den USA, Europa und Asien sehr verschieden. "Zusammengenommen ist für die Chemieindustrie daher vorerst keine Rezession zu erwarten", sagte er.

Strube wehrt sich gegen den Eindruck von Investoren und Analysten, dass das Geschäft der BASF immer noch zu schwankungsreich sei. "Die Zyklizität der BASF wird deutlich überschätzt", sagt er. Die längerfristige Ertragsentwicklung der BASF zeichne ein falsches Bild: Denn der Ertragseinbruch in den frühen 90er-Jahren sei durch hohe Sonderbelastungen und Investitionen verstärkt worden.

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