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10.01.2001

15:08 Uhr

Kooperation geplant

Lego mit krassem Imagewechsel

Die Verdrängung traditioneller Kinderspiele durch Computer hat am Mittwoch aus der Lego-Zentrale im dänischen Billund eine Bestätigung mit seltener Symbolkraft bekommen. Der seit einem halben Jahrhundert dank seiner klassischen Bauklötze weltberühmte Spielzeugkonzern will in Zukunft virtuelle Spiele an Microsoft für dessen Internetportal MSM und die neue Spielstation X-Box liefern.

dpa KOPENHAGEN. Microsoft-Gründer Bill Gates, der als junger Mann in der väterlichen Garage an den ersten Computern herumbastelte, löst damit als Symbolfigur Lego-Gründer Ole Kirk Christiansen ab, der in den dreißiger Jahren in einer Tischlerei in Billund das geniale Klotzsystem austüftelte und seine Nachfahren zu Milliardären machte.

Eben dieser Status der heute mit "K" beginnenden Kristiansen-Familie schien in den letzten Jahren durch den Vormarsch von PC-Spielen aller Art immer mehr gefährdet. Stetige Umsatzrückgänge in den wichtigsten westlichen Absatzländern wie Deutschland, rote Zahlen im letzten Jahr und eine Reduzierung um zehn Prozent unter den zuletzt etwa 10 000 Beschäftigten wurden zu immer lauter vernehmlichen Alarmsignalen dafür, dass die Lego-Klötze von Computern verdrängt zu werden drohten.



Imagewechsel längst überfällig

Kopenhagener Branchenbeobachter werteten den Deal mit Mirosoft denn auch als überfälligen und nur noch schwer zu umgehenden Imagewechsel. "Microsoft hat Zugang zu Kindern wie kaum jemand sonst, und den braucht Lego dringend," meinte ein Experte im dänischen Rundfunk. Umgekehrt könne sich der weltweit nicht zuletzt bei Eltern als geldgierig und als Geschäftemacher rücksichtlose "Global Player" Microsoft mit dem freundlichen und "kinderpolitisch korrekten" Namen Lego schmücken. Wer am meisten profitieren werde, sei da völlig offen.

Offen dürfte nach den Erfahrungen der letzten Jahre aber auch sein, ob der Lego-Zug für Gleiswechsel in Richtung virtuelles Spielzeug nicht schon zu viel Verspätung hat, um davoneilende Konkurrenten wie Playstation und generell Computerspielzeug wieder einzuholen. Die von Lego immer besonders stolz präsentierte Ideen-Abteilung in Billund hat schon Etliches versucht, aber wenig mit Erfolg. Vom Konzern selbst entwickelte Kombinationen von Bauklotz-System und PC-Steuerung wie bei der "Mindstorm"-Serie werden nach den traditionell etwas diffusen Angaben des nicht rechenschaftspflichtigen Familienkonzerns gut verkauft, waren aber in der Entwicklung extrem teuer.



Vergnügungsparks bringen Verluste

Dass Lego mit derlei Aktivitäten viel zu spät anfing und dann auch noch alles allein schultern wollte, halten Kritiker für den Kardinalfehler der letzten Jahre. Auch das Setzen auf neue "Legoland"-Vergnügungsparks nach dem Vorbild am Stammsitz Billund erwies sich als Fehlschlag. Vizekonzernchef Poul Plougmann räumte am Mittwoch ein, dass die seit 1996 neu eröffneten Parks in Kalifornien und im englischen Windsor bei London hohe Verluste bringen. Kommenden Sommer kommt ein im Bau befindliches Legoland im bayerischen Günzburg hinzu, dann ist Schluß. Das mit großer Geste veröffentlichte Motto "Alle drei Jahre ein neues Legoland" wurde von Plougmann gegenüber der Zeitung "Berlingske Tidende" nun wieder zurückgenommen. Sicherer scheint den Planern in Billund nun wohl doch, nur noch auf den Gang der Legofreunde zum nächsten PC zu setzen.

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