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25.01.2003

15:02 Uhr

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Krauts gone

VonThomas Knipp (Davos)

Where are the Krauts - wo sind die Deutschen? Mehr oder weniger höflich gestellt - dies ist die häufigste Frage im Konferenzzentrum, den Meeting- und Diningrooms in Davos.

Auf der Suche nach den Deutschen sind nicht nur die Veranstalter des World Economic Forums und die Gäste aus England, Amerika oder sonst woher, sondern auch die Deutschen selber. Gesucht werden natürlich nicht die deutschen Manager, sondern die Vertreter der politischen Klasse. Sie sind in diesem Jahr auffällig abwesend.

Warum?

Das fragen sich auch die deutschen Wirtschaftsvertreter, die - wenig amüsiert - ein ums andere Mal einspringen müssen, um Deutschlands Politik und den wirtschaftlichen Kurs zu erklären. Die Erklärung liegt auf der Hand.

Die deutsche Volkswirtschaft präsentiert sich auch und vor allem Dank der Politik der Regierung seit Monaten als "Primus unter pari" - mithin in einer Verfassung, die mindestens einmal bei den europäischen Nachbarn für sorgenvolle Minen sorgt. Und es kann kaum verwundern, dass sich Regierungsvertreter dafür nicht auch noch vor internationalem Publikum rechtfertigen wollen. Aus diesem Grunde haben die Herren Eichel und Clement bei der Veranstaltung abgesagt - zwei Tage, bevor es los ging. Und das, obwohl das Forum beiden hochrangig besetzte Diskussionsrunden zugesagt hatte.

Die Furcht: Der Auftritt in Davos könnte zu einem Desaster für die Öffentlichkeitsarbeit werden. Dieses Risiko wollte man eine Woche vor den Wahlen in Hessen und Niedersachsen nicht eingehen.

Stattdessen konzentrierten sich die potentiellen Davos-Abgesandten der deutschen Regierung lieber auf den heimischen Wahlkampf.

Die Bundesregierung - und andere europäische Regierungen - überließen damit einmal mehr der amerikanischen Administration die Bühne. Und die nutzte sie umfangreich, um für ihre Irak-Politik zu werben. Der Erfolg der Auftritte von Justizminister Ashcroft und anderen Vertretern der Regierung ließ allerdings auch aus der Sicht der Amerikaner zu wünschen übrig. Sie konstatierten jenseits des Scheinwerferlichtes einigermaßen konsterniert, dass die Opposition gegen die US-Politik mittlerweile schwer beherrschbare Ausmaße angenommen habe.

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