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16.01.2002

18:47 Uhr

Kreditausfälle nehmen zu

JP Morgan Chase rutscht in die Verlustzone

Ein gutes Jahr nach dem Zusammenschluss zwischen der amerikanischen Geschäftsbank Chase und der US-Investmentbank J.P.Morgan stehen sichtbare Synergie-Effekte bei der JP Morgan Chase & Co. Inc. noch weitgehend aus.

hus NEW YORK. Dagegen muss die - nach der Citigroup - zweitgrößte US-Bank als größter Kreditgeber des bankrott gegangenen Energiehändlers Enron und als wichtiger Gläubiger Argentiniens ihre Abschreibungen auf notleidende Kredite drastisch erhöhen. Die Abschreibungen auf Kredite haben sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Belastend wirkten auch die Eigenkapital-Engagements in jungen US-Unternehmen. Der Konzern habe aggressiv alles abgeschrieben, was fragwürdig geworden ist, erläuterte Finanz-Chef Marc Shapiro. "Jetzt können wir befreit in die Zukunft blicken", sagte er.

Die Bank meldete für das abgelaufenen Quartal einen Verlust von 332 Mill. $ oder 18 Cents pro Aktie gegenüber einem Gewinn von 708 Mill. $ im Vorjahres-Quartal. Ohne Restrukturierungskosten und Sonderabschreibungen erzielte JP Morgan Chase einen Quartalsgewinn von 18 Cents gegenüber 37 Cents im Vorjahres-Zeitraum. Die Bank hat im vierten Quartal noch einmal Reserven von 510 Mill. $ für mögliche Kreditausfälle gebildet und die Kreditkosten und Handelsverluste im Zusammenhang mit Argentinien und Enron auf 807 Mill. $ beziffert.

"Die Zahlen sind schwächer, als erwartet", sagt Wertpapier-Analyst Stephen Biggar vom Finanzinformations-Dienst Standard & Poors. Er wies vor allem auf den drastischen Anstieg der Kreditausfälle hin. Sie haben sich gegenüber dem Vorjahresquartal von 667 Mill. $ auf 1,7 Mrd. $ mehr als verdoppelt. Der Vize-Vorstand von J.P.Morgan Chase, Marc Shapiro beschwichtigte jedoch: "Unsere Kreditausfälle beliefen sich im Gesamtjahr auf lediglich 0,87 % des gesamten Kreditvolumens". Fast 80 % aller vergebenen Kredite hätten erstklassige Bonität. Die Kreditausfälle haben sich allerdings im vierten Quartal auf 1,58 % des Gesamtvolumens erhöht.

JP Morgan Chase ist in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil sie als größter Kapitalgeber von Enron ihre möglichen Verluste aus dem Konkurs des Energiekonzerns auf zuletzt 2,6 Mrd. $ bezifferte. Die Bank stand über ihre Investmentsparte und Eigenkapitalinvestitionen mehrfach in Beziehung zum Energiekonzern. Auf die Frage, ob die JP Morgan Chase auf Grund ihrer detaillierten Kenntnisse über das Unternehmen mögliche Schwächen nicht eher hätte sehen können, meinte Shapiro: "Die Fehler in der Rechnungslegung waren nicht zu erkennen, so etwas kommt nur sehr selten vor."

Schlechte Nachrichten auch aus der Investmentabteilung des Konzerns: Eigenkapital-Engagements in privaten und börsennotierten Unternehmen haben zu Verlusten von 385 Mill. $ geführt. Ende der 90-er Jahre, als junge Technologie-Unternehmen zahlreich an die Börse gingen und kräftige Kurssteigerungen vorlegten, war dies noch ein äußerst profitables Geschäft gewesen. Das größte Engagement hält JP Morgan Chase im Telekom-Ausrüster Triton PCS.Inc. Dort musste die Bank Abschreibungen von 100 Mill. $ vornehmen.

Die Rezession und das schwache Gesamtjahr haben den Start des fusionierten Unternehmens erschwert. Doch Experten glauben, dass JP Morgan Chase trotzdem mehr Vorteil aus dem Zusammenschluss hätte ziehen können: "Uns fehlen augenscheinliche Erfolge in der Zusammenarbeit der verschiedenen Divisionen, bei der eine Abteilung die Produkte der anderen verkauft", sagte Analyst Biggar. JP Morgan Chase fällt in dieser Hinsicht deutlich gegenüber der Citigroup zurück, die heute ihre Zahlen vorlegt.

Im Gesamtjahr 2001 ging der Gewinn von JP Morgan Chase um 71 % auf 1,96 Mrd.$ zurück, die operativen Einnahmen schrumpften um 8 % auf 30 Mrd.$. Der Kurs der Aktie fiel gestern in der ersten Handelsstunde um 3,7 % auf 36,50 $. Vor knapp einem Jahr hatte er noch bei 57$ gelegen.

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