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31.03.2003

20:08 Uhr

Krieg vermeidbar - „Keine göttliche Mission“

Rau kritisiert Bush

Bundespräsident Johannes Rau hat US-Präsident George W. Bush wegen des Irak-Kriegs erstmals direkt und ungewöhnlich scharf angegriffen. Bush unterliege einem "grandiosen Missverständnis", wenn er von einer göttlichen Mission spreche, die ihn zu diesem Krieg antreibe, sagte Rau am Montag in der n-tv-Sendung "Maischberger".

HB/dpa BERLIN. "Das ist eine völlig einseitige Botschaft des George W. Bush. Ich glaube nicht, dass ein Volk einen göttlichen Hinweis erhält, ein anderes Volk zu befreien."

Nirgends in der Bibel werde zu Kreuzzügen aufgerufen, sagte Rau. Die Einstellung des US-Präsidenten sei nicht verbindlich für alle Christen. "Der Papst hingegen spricht in dieser Frage wohl eher für die ganze Menschheit." Johannes Paul II. hat sich mehrfach strikt gegen einen Krieg ausgesprochen.

"Es gibt zwar Situationen, in denen Krieg unvermeidlich ist, aber dies war im Irak nicht der Fall", sagte Rau. Mit Blick auf die Entwaffnung des Iraks ergänzte er: "Die UN-Inspekteure hätten diese Aufgabe auch ohne dieses Leid erledigt. Das wäre der richtige Weg gewesen."

Ihm sei auch der Strategiewechsel der USA unverständlich, die nun für ihr Handeln statt der Entwaffnung des Iraks die Absetzung Saddam Husseins als Hauptgrund nennen, sagte der Bundespräsident. Viel dringlicher als der Irak-Krieg wäre Rau zufolge eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts gewesen, "aber darum kümmert sich die amerikanische Administration leider viel zu wenig".

Chancen, den Krieg diplomatisch zu beenden, sehe er derzeit kaum. Der Schaden scheine grenzenlos zu werden, sagte Rau und forderte die Politik auf, das Leid der Menschen im Irak zu lindern. "Es ist höchste Zeit, dem Krieg durch humanitäre Taten zu widerhandeln, statt nur zu widersprechen."

Persönlich weckten die Berichte vom Irak-Krieg in ihm schlimme Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, sagte Rau: "Manchmal kann ich es nicht aushalten. Ich weiß, dass man im Fernsehen nicht die wirklichen Bilder vom Krieg sieht, weil man das Leid der Menschen nicht annähernd abbilden kann."

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