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16.01.2003

21:30 Uhr

Kripo durchsucht Privaträume

Razzia bei Ex-Mobilcom-Chef Schmid

Neuer Ärger für Gerhard Schmid: Die Staatsanwaltschaft in Kiel hat gestern die Privatvilla des Firmengründers sowie die Zentrale der Mobilcom AG durchsucht. Grund dafür ist ein umstrittenes Aktiengeschäft.

HB/lip HAMBURG. Gerhard Schmid, Gründer der Büdelsdorfer Mobilcom AG, gerät weiter in Bedrängnis: Die Staatsanwaltschaft in Kiel hat gestern die Privatvilla des früheren Mobilcom-Chefs in Lürschau bei Schleswig sowie Büroräume der Millennium GmbH von Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram durchsucht.

Auch in der Mobilcom-Zentrale stellten die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei umfangreiches Beweismaterial sicher. Ferner nahmen die Ermittler beim ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Ripken Unterlagen - darunter Aufsichtsratsprotokolle - mit. "Gegen mich wird aber nicht ermittelt, und ich bin in der Sache nicht betroffen", sagte Ripken dem Handelsblatt. Schmid wollte sich nicht zur Sache äußern. Mobilcom bestätigte den Vorgang und erklärte sich bereit, mit den Behörden zu kooperieren.

Auslöser der Polizeiaktion sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel. Sie verdächtigt Schmid der Untreue. Noch als Vorstandsvorsitzender hatte der einstige Shooting-Star der Telekom-Branche vor einem Jahr ein Aktien-Optionsprogramm mit der Millennium GmbH abgeschlossen und dafür mehr als 71 Mill. Euro an die Firma seiner Frau bezahlt. Mit den Aktien sollten besonders erfolgreiche Mobilcom-Verkäufer belohnt werden. Doch der Aufsichtsrat zweifelte die Rechtmäßigkeit des Geschäfts an und feuerte Schmid als Vorstandschef.

Nun verlangt Mobilcom von dem Firmengründer die Rückzahlung des Millionenbetrags. Bekommt er die Summe bis Ende März nicht zusammen, kann Schmids Treuhänder aus dem Depot der Millennium GmbH nach Informationen des Handelsblatts rund 5,6 Millionen Aktien an der Börse verkaufen. Beim derzeitigen Kurs von 3 Euro würde Mobilcom rund 12 Mill. Euro und damit nur einen Bruchteil der Forderung bekommen.

Den Rest kann Mobilcom vorerst nicht eintreiben. Denn die Gesellschaft hat mit Schmid eine "Friedenspflicht" vereinbart. Danach kann Mobilcom bis Ende 2004 die Summe nicht vor Gericht einklagen. Unklar ist die Rechtslage allerdings, sollte Schmid das Optionsgeschäft unrechtmäßig abgewickelt haben. Dann hat Mobilcom offenbar die Möglichkeit, die Summe schneller einzufordern. Die Firma war für eine Anfrage bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Erneuter Dämpfer für Schmid

Im Kampf um die Macht bei Mobilcom hat Schmid zudem erneut einen Dämpfer erlitten. Danach ist der Freenet-Chef Eckhard Spoerr, der als Schmid-Vertrauter gilt, nicht mehr bereit, in den Vorstand von Mobilcom einzuziehen. "Herr Spoerr steht nicht für einen Posten bei Mobilcom zur Verfügung und will weiterhin Freenet-Vorstand bleiben", sagte eine Freenet-Sprecherin. Mobilcom hält mehr als 76 % an dem nach T-Online und AOL drittgrößten deutschen Internetdienst. Schmid hatte versucht, den Aufsichtsrat von Mobilcom für sich zu gewinnen, um Spoerr in den Vorstand der Gesellschaft zu bringen. Doch der Mobilcom-Gründer erhielt für seinen Plan nicht die notwendige Mehrheit.

Nun soll offenbar der Mobilcom-Vertriebsleiter Michael Grodd als neuer Vorstand für Vertrieb und Marketing berufen werden. Die entsprechende Empfehlung eines dafür eingesetzten Personalausschusses soll auf der kommenden Aufsichtsratssitzung von Mobilcom am Montag abgesegnet werden, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Gesellschaft. Ein Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Gestern Abend verhandelte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz mit Freenet-Chef Spoerr über den Verkauf der Festnetzsparte. Die Vertragsparteien sollen sich über den Preis bereits weitgehend einig sein. Möglicherweise soll bereits heute der Vertragsabschluss bekannt gegeben werden. Auch dazu lehnte Mobilcom einen Kommentar ab. Eine Freenet-Sprecherin sagte: "Wir hoffen, dass wir uns noch bis zur Mobilcom-Hauptversammlung einigen können".

Quelle: Handelsblatt

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