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04.02.2002

11:09 Uhr

Krise am Bankensektor und schwache Weltwirtschaft setzen dem Markt zu

Investoren ziehen sich aus Pfandbriefen zurück

Bei großen Investoren verlieren Pfandbriefe vor allem im Vergleich zu Staatsanleihen an Attraktivität. Marktteilnehmer befürchten zugleich Abwertungen von Pfandbrief-Ratings wegen Änderungen beim Hypothekenbankgesetz und der ungewissen Rolle der Landesbanken, die zu den größten Pfandbrief-Emittenten zählen.

Reuters FRANKFURT. In den vergangenen sechs Monaten haben die Pfandbriefe am Repomarkt an Wert eingebüßt und ihre Renditevorsprünge zu deutschen Staatsanleihen und Swaps haben sich ausgeweitet.

Die Krise des Bankensektors und der schwache Ausblick für die Weltwirtschaft setzten dem Markt zu, sagen Händler. "Wir glauben, dass das Erholungspotenzial zurzeit begrenzt ist. Kurzfristig erwarten wir sogar eine Verschlechterung", prognostiziert Ted Packmohr, Leiter des Pfandbrief-Research bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Große Fonds leiten Analysten zufolge Kapital in Staatsanleihen um. Zu Jahresbeginn waren Jumbo-Pfandbriefe mit einem "AAA"-Rating noch mit einem Renditevorsprung (Spread) von rund fünf Basispunkten über Mid-Swaps gehandelt worden. Mittlerweile liegt der Spread deutlich höher.

Rating-Herabstufungen stehen bevor

Analysten erwarten Rating-Herabstufungen wegen Änderungen des Hypothekenbankgesetzes, mit denen Mitte 2002 gerechnet werde. Die Novellierung werde es den Emittenten ermöglichen, Pfandbriefe auch mit Derivaten und nicht nur mit Hypotheken und Darlehen zu decken. Zweifel gebe es auch an dem zukünftigen Status der in öffentlichem Besitz stehenden Landesbanken, die immerhin hinter rund 30 % der Pfandbrief-Emissionen stehen.

Christoph Anhamm und Heiko Langer von ABN Amro befürchten einen Verlust der hohen Kreditqualität bei Pfandbriefen. Waren diese Papiere früher fast einheitlich mit dem Höchstrating "AAA" ausgezeichnet, so würden bereits jetzt nur noch 58 % aller Pfandbriefe so eingestuft. "Wir erwarten in diesem Jahr vier oder fünf weitere Rating-Herabstufungen. Es könnten aber auch mehr werden, besonders nachdem die Fragen um die Landesbanken endgültig beantwortet sein werden", sagt ein Händler.

Der Pfandbrief als klassisches Instrument der Refinanzierung von Hypothekenbanken ist nach einer Veröffentlichung des Verbandes deutscher Hypothekenbanken (VDH) vom vergangenen Jahr das größte Segment des europäischen Rentenmarktes. Der Marktanteil in Europa betrage rund 18 %. "Weltweit ist er der sechstgrößte Bondmarkt und der zweitgrößte Markt für Non-Government-Papiere nach US-Unternehmensanleihen."

Anteil von Pfandbriefen schrumpft

In den vergangenen Jahren ist der Anteil von Pfandbriefen am Bruttoabsatz festverzinslicher Papiere am deutschen Rentenmarkt allerdings deutlich geschrumpft. Während Öffentliche und Hypothekenpfandbriefe 1995 noch rund 40,5 % des Bruttoumsatzes am Rentenmarkt ausmachten, betrug der Anteil im Jahr 2000 nur noch rund 29,4 %. In den ersten neun Monaten 2001 hat sich der Anteil noch einmal auf rund 23,4 verringert. Dagegen ist der Anteil von Anleihen der öffentlichen Hand seit 1995 von rund 18,6 % auf rund 29,4 % im Jahr 2000 gestiegen. Im ersten Dreivierteljahr 2001 machten öffentliche Anleihen bereits rund 24,5 % des Bruttoabsatzes aus.

In der Regel sind Pfandbriefe festverzinsliche Schuldverschreibungen. Sie dienen zur Refinanzierung von Darlehen, die durch Hypotheken oder Grundschulden gesichert sind (Hypothekenpfandbriefe). Öffentliche Pfandbriefe (früher Kommunalobligationen) refinanzieren Darlehen an öffentliche Gebietskörperschaften und Institutionen. Diese Darlehen decken die Pfandbriefe als Sicherheiten. Nach dem geltenden Hypothekenbankgesetz dürfen nur Pfandbriefe ausgegeben werden, die ständig durch solche Darlehen gedeckt sind.

Ab einem Volumen von 500 Mill. Euro heißen die Papiere Jumbo-Pfandbriefe. Anders als herkömmliche Pfandbriefe werden die Jumbos in der Regel von einem aus mindestens drei Banken oder Wertpapierhandelshäuser umfassenden Konsortium betreut. Eine weitere Kategorie stellen die Global-Pfandbriefe dar. Da diese weltweit und besonders in den USA angeboten werden, werden sie nach bestimmten Regeln der US-Finanzmarktaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) begeben.

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