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18.01.2001

17:18 Uhr

Krise beim Traditionsunternehmen

Unterschiedliche Reaktionen bei den Opel-Mitarbeitern

Der Tag nach der Hiobsbotschaft: Die Opel-Beschäftigten in Deutschland schwanken zwischen Schock und Gelassenheit.

dpa RÜSSELSHEIM/EISENACH. Während am Donnerstag vor den Toren der Adam Opel AG in Rüsselsheim Frust zu spüren ist, nehmen die Beschäftigten des Opel- Werks Eisenach die Schreckensmeldung vom Milliardenverlust ruhig auf. Kein Wunder: Der Autobauer will am Stammsitz 800 Stellen streichen, während der Opel-Musterknabe in Thüringen mit dem kleinen Corsa weiter an der Spitze fahren will.

Die meisten Mitarbeiter in Rüsselsheim sehen ihre Zukunft nicht rosig. Doch weniger, weil sie ihre Stelle verlieren können. Der geplante Abbau sei schon länger bekannt gewesen, sagt ein 31- Jähriger. Der Verlust im vergangenen Jahr von fast einer Milliarde DM hat sie geschockt. "Ich habe vorher mal was von 50 Millionen DM gehört. Dass es jetzt fast eine Milliarde ist, hat uns alle extrem überrascht", sagt ein 34-Jähriger aus der Entwicklung.

Die Opel-Mitarbeiter in der Wartburgstadt Eisenach haben von den tiefroten Zahlen per Video erfahren. "Wir waren sehr nachdenklich und ruhig", sagt der 35-jährige Thomas Steinmetz. Doch sie sind sich sicher, dass Eisenach von Konsequenzen verschont bleibt. Geschäftsführer Arno Wiedenroth bringt auf den Punkt, warum: "Wir gehen davon aus, dass wir den besten Anlauf in der General Motors - Geschichte hinter uns gebracht haben". Der Verlust hat ihn aber auch geschockt.

"Rüsselsheim ist am stärksten betroffen", sagt der Betriebsrat von Opel Eisenach, Harald Lieske. Ganz ohne Schrammen scheinen die Opel- Probleme aber auch an Eisenach nicht vorbei zu gehen. "Wir spüren, dass bestimmte Investitionen aufgeschoben werden und das Geld knapper wird", erklärt Lieske. Die Erfolgsstory des Werks bekam 1999 einen Kratzer, als wegen Absatzproblemen Kurzarbeit anstand. Mit der schlanken Produktion ist das Werk noch immer Vorzeigemodell für den ganzen Konzern. "In den Schlüsseldaten haben wir die Nase vorn", sagt Wiedenroth. "Allerdings liegen wir nicht mehr ganz so vorn."

Die Ankündigung von Vorstandschef Robert Hendry, nach nur knapp zwei Jahren zu gehen, stimmt nur wenige froh. "Der Hendry kriegt woanders einen besseren Posten. Den Arbeiter trifft es doch", sagt ein Mitarbeiter in Rüsselsheim. Am gesamten Image von Opel und an der Qualität müsse gearbeitet werden, sagt ein Beschäftigter aus dem Karosseriewerk. Manche setzen auf den aussichtsreichsten Nachfolger von Hendry, den früheren BMW-Produktionsvorstand Carl-Peter Forster. "Der Forster ist einer, der uns viel besser versteht." Eisenachs Opel-Chef Wiedenroth wiederum hat ein ganz einfaches Erfolgsrezept: "Wenn die Produktion in Ordnung ist, kommt der Rest von selber."

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