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07.03.2003

10:16 Uhr

Krise trifft die Golf-Föderation in schwieriger Lage

Ölscheichs wollen Golfkrieg um jeden Preis verhindern

VonE. Engelken (R. Spiller, J. Weidemann)

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) versuchen alles, einen Krieg im Irak zu verhindern und sich als sicherer Hort in der Region zu präsentieren. Zwar habe ihnen der letzte Krieg wirtschaftlich nicht geschadet, erklären die Regierungschefs der sieben Emirate - gleichwohl befürchten sie, dass eine längere Krise am Golf ausländische Investoren und Touristen verprellt.

DUBAI/ABU DHABI. Die Krise trifft die Golf-Föderation in einer ohnehin kritischen innenpolitischen Lage. Derzeit unternehmen alle Emirate ungeheure Anstrengungen, um sich wirtschaftlich vom Öl, das Schätzungen zufolge in der Region nur noch etwa 10 Jahre wie bisher sprudeln wird, unabhängig zu machen. Vorreiter ist das Emirat Dubai, das eine Wirtschaftszone aus der Wüste gestampft hat, auch wenn der dortige Boom bisher eher auf Milliardeninvestitionen der Scheichs als auf blühenden Geschäften basiert.

Jeder Krieg, der die Region destabilisieren würde, käme mehr als ungelegen. Mit Vermittlungsvorschlägen wie jüngst der Exil-Idee für Saddam und der paralleler Kooperation mit den USA versuchen die Emirate, allen Seiten gerecht zu werden. Doch vor allem jene Offiziellen in den VAE, die mit der Tourismusbranche zu tun haben, fürchten den Krieg. "Wir wollen Frieden", fordert Saif Sultan al Shamsi, Chef der Palm Island Entwicklungsgesellschaft in Dubai. Das ist kein Wunder, denn die Tourismusbranche ist nach dem Öl eine der wichtigsten Einnahmequelle der VAE und speziell für Dubai eine der Branchen, die am stärksten wächst. Im vergangenen Jahr besuchten alleine Dubai 4,7 Mill. Touristen. Bis 2010 soll die Zahl auf 15 Mill. klettern. Dazu beitragen sollen ehrgeizige Bauprojekte wie die 1,5 Mrd. $ teure künstliche Insel "The Palm" - welche bis 2006 die natürlichen Strände Dubais um 120 Kilometer verlängern soll.

Im September wird Dubai Gastland der Weltbanktagung des IWF sein, zu der rund 20 000 Gäste erwartet werden. Zudem bemühen sich die Emirate, ausländischen Investoren die Entscheidung für ihre Land zu erleichtern. "Vor allem deutsche Unternehmen sollen stärker kommen", sagt Ali Mohamed Ali Al-Zarouni, Botschafter der VAE in Deutschland. Bislang läuft es in aller Regel umgekehrt, ein Beispiel ist die jetzt beschlossene Chipfabrik in Frankfurt/Oder, wo die VAE rund 250 Mill. Euro investieren wollen.

Angesichts des möglichen Irakkrieges halten sich die Investoren in den Emiraten aber schon jetzt zurück. "Die Leute haben Angst vor Terroranschlägen infolge eines Krieges, das macht es für uns nicht gerade einfacher", sagt beispielsweise Wadi Ahmed, Marketing-Chef der Dubai Internet City. "Die Region ist in Wartestellung", ergänzt Per Rasmussen, CEO von Daimler-Chrysler Middle East in Dubai.

Zuversichtlicher äußert sich Mohammed Jasim Al-Muzakki, stellvertretender Wirtschaftsminister der Emirate. "Ein kurzer Krieg wird uns nichts anhaben, weil wir bereits in den voran gegangenen Golfkriegen ein sicherer Hort waren. Sollte der Krieg aber länger dauern, dann werden wir alle darunter zu leiden haben."

Freilich ist auch ihm klar, dass es für die Region das Beste wäre, wenn es gar nicht erst zum Krieg käme. So lancierten die Emirate jüngst sogar einen eigenen Vorschlag, um den Frieden zu erhalten. Der für seine ausgleichende Politik bekannte Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan, schlugen in einem offenen Brief vor, Saddam Husseins Regime in Bagdad möge in kurzer Frist abtreten und ins Exil gehen. Dafür würden ihm freies Geleit, Immunität und alle "gebührenden" Privilegien gewährt. Ferner, so der Plan der Emirate, solle es eine Generalamnestie für alle Iraker geben - um die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. In der Übergangsphase könnte die Arabische Liga in Abstimmung mit dem Generalsekretär der Uno den Irak kontrollieren und in geordnete Verhältnisse überführen.

Der frühere britische Außenminister Lord Douglas Hurd bezeichnete Zayeds Vorschlag als "praktiblen und ehrenhaften Weg aus der gegenwärtigen Krise". Auch in der islamischen Welt fand diese Idee Freunde, die Iraker reagierten allerdings empört und die USA zunächst skeptisch.

In jedem Fall aber mühen sich die Emirate, die Vereinigten Staaten nicht zu verprellen. So erklärte der Kronprinz von Dubai und VAE-Verteidigungsminister, Scheich Mohammed bin Rashid Al-Maktoum, ein Krieg müsse vermieden werden. Noch am selben Tag schickte er indes Panzer und Truppen nach Kuwait, um das Nachbarland zu schützen und die USA zu entlasten.

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