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23.01.2001

14:57 Uhr

dpa MÜNCHEN. Bayerns Sozialministerin Barbara Stamm hat in ihrer politischen Karriere schon viele Querschläge einstecken müssen. Jetzt ist die 56-jährige CSU-Politikerin am Schweinemast- Skandal in Bayern gescheitert. Nachdem ihr in der BSE-Krise bereits die Kompetenzen für das Gesundheitsressort entzogen wurden, warf sie nun angesichts immer neuer Widrigkeiten endgültig das Handtuch.

Dabei galt die bodenständige Fränkin lange Zeit als Vorzeigefrau im Kabinett von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Seit 1994 Chefin im Sozial- und Gesundheitsressort war sie zugleich Frauenbeauftragte der Staatsregierung und seit zwei Jahren auch stellvertretende Ministerpräsidentin. In der CSU gehört sie seit 1993 zur vierköpfigen Vize-Riege des Parteichefs.

Die gläubige Katholikin, Mutter von drei Kindern, gilt als durch und durch konservativ. Vor allem in der Debatte um den Abtreibungsparagrafen 218 vertrat sie gegen liberalere Positionen mit allem Engagement die harte Linie des Freistaats. Zugleich wagte sie sich jedoch auch an Themen, die in ihrer Partei nicht gerne angefasst wurden. Sie forderte die Pille auf Krankenschein, sprach über Gewalt gegen Frauen und prangerte den sexuellen Missbrauch von Kindern an.

Keinen eigenen Landtags-Stimmkreis

In der CSU hatte Stamm es als Frau nicht immer leicht. Zwei Jahre nach ihrem Einzug in den Landtag 1976 wurde sie in den Fraktionsvorstand gewählt, musste dann aber acht Jahre auf einen Stellvertreterposten warten. 1989 schickte die Partei sie in ein aussichtsloses Rennen um das Oberbürgermeisteramt in Würzburg, wo sie zuvor 15 Jahre im Stadtrat saß. Bis heute hat sie keinen eigenen Landtags-Stimmkreis.

Die stets korrekt und damenhaft gekleidete Ministerin galt trotz ihrer langjährigen Routine als sensibel und dünnhäutig. Sie machte ihre Politik immer mit einer kräftigen Portion Gefühl. In der Abtreibungsdebatte des Landtags brach sie einmal vor dem Parlament in Tränen aus. Nach Berichten über ihr Privatleben wurde ihr schon seit einem halben Jahr in der CSU-Fraktion Unlust nachgesagt.

Durch die BSE-Krise geriet sie dann auch in den eigenen Reihen unter Beschuss. Ihr wurde vorgeworfen, sie habe sich im Kampf gegen die Rinderseuche vor den Karren des Bauernverbands spannen lassen. Vor einer weiteren Debatte um den Schweinemast-Skandal zog sie nun einen Schlussstrich.

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