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25.04.2003

08:30 Uhr

Kriterien für die Wahl einer privaten Krankenpolice

So mancher Billigtarif sorgt beim Arzt für Stirnrunzeln

Der Tarifdschungel bei privaten Krankenversicherern ist für Interessenten schwer zu durchschauen. Aber es gibt eine Reihe von Kriterien, die Versicherten bei der Orientierung helfen.

rl Düsseldorf. Wer von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln will, sollte folgende Dinge beachten:

>> Personenkreis: Grundsätzlich gehören Selbstständige und Beamte in die Privatversicherung. Angestellte hingegen müssen mindestens 45 900 Euro brutto im Jahr verdienen (Versicherungspflichtgrenze), wenn sie aus der AOK & Co. raus wollen.

>> Wechsel: Wer aus der gesetzlichen Kasse in eine private Versicherung wechseln möchte, sollte seiner Kasse erst kündigen, wenn die Privatpolice endgültig vom Versicherer akzeptiert ist. Denn private Versicherer dürfen Anträge ablehnen oder teure Risikozuschläge fordern, etwa wegen schwerer Vorerkrankungen. Aus der Kasse kommen freiwillig Versicherte relativ einfach heraus, es gilt eine Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende.

Umgekehrt ist der Weg zurück in die gesetzliche Kasse Privatversicherten nur erlaubt, wenn Versicherungspflicht eintritt. Das kann durch Arbeitslosigkeit geschehen oder durch Teilzeit, etwa wenn das Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze (45 900 Euro) rutscht. Doch Vorsicht: Das geht nur, wenn der Privatversicherte sich nicht von der Versicherungspflicht hat befreien lassen.

>> Krankentagegeld: Privatversicherte sollten auch ihren Verdienstausfall bei längerer Krankheit privat absichern - Angestellte ab dem Wegfall der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber (in der Regel ab dem 43. Tag). Für Selbstständige ist ein früherer Zahlungsbeginn möglich. Grundsätzlich darf aber niemand an seiner Krankheit verdienen. Deshalb gilt als Obergrenze für die Höhe des Krankengeldes das auf den Tag umgerechnete Nettoeinkommen plus Rentenversicherungsbeiträge und Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung. Die Höhe ist von Zeit zu Zeit der Einkommensentwicklung anzupassen. Deshalb sind Policen wichtig, die bei Erhöhungen keine erneute Gesundheitsprüfung verlangen.

>> Kuren: Da Kuren von der Rentenversicherung gewährt werden, sind sie in der privaten Krankenversicherung zunächst nicht vorgesehen. Das gilt zum Teil auch für ambulante Kur- und Reha-Leistungen. Die meisten Privatversicherer bieten daher spezielle Kurtarife an.

>> Billigtarife: Viele Privatversicherer ködern wechselwillige Kassenmitglieder mit Minimal-Beiträgen und-Leistungen. Hier ist Vorsicht geboten: Wer in die private Krankenversicherung wechselt, sollte auch ausreichend Privatversicherungsschutz einkaufen. Der umfassende Leistungskatalog ist ja gerade der Vorteil gegenüber der einheitlichen Kassenleistung. Die Billig- oder Elementartarife, wie sie heißen, sichern aber nur in etwa das Kassenniveau ab. Das führt beim Arzt schnell zu Missverständnissen und unangenehmen Preisverhandlungen.

>> Standardtarif: Das ist eine Art Billigtarif für ältere Versicherte, die einen Ausweg aus teuren Privatpolicen suchen. Er soll im Alter Kassenniveau zu Kassenbeiträgen (derzeit: durchschnittlicher Höchstbeitrag von 542 Euro) zusichern. Voraussetzung: Wer mindestens 65 (55) Jahre alt ist und bereits seit zehn Jahren bei seiner privaten Versicherung ist (und weniger als 45 900 Euro verdient), darf in diesen Tarif wechseln. Seit dem Jahr 1994 müssen alle Versicherer diesen Tarif vorhalten.

>> Altersentlastungstarif: Viele Private bieten Einsteigern gleich diese Art Sparvertrag fürs Alter mit an. Darüber lässt sich der Beitrag ab dem Rentenalter um einen zuvor vereinbarten Betrag verringern. Vorteil für Angestellte: Sie können ihre Arbeitgeber an den Vorsorgeaufwendungen beteiligen.

>> Alterungsrückstellung: Hierin sammeln die Versicherer von Jungen Kunden Beitragsteile fürs Alter an. Dabei wird eine Verzinsung von 3,5 % einkalkuliert. Bei einer Kündigung werden diese Ersparnisse nicht mitgegeben. Da diese Gelder beim neuen Versicherer fehlen, lohnt sich ein Wechsel mit zunehmender Versicherungsdauer immer weniger.

>> Tarifwechsel: Seit 1994 dürfen Altkunden in einen anderen Tarif ihres Versicherers ohne Nachteile (erneute Gesundheitsprüfung, Risikozuschläge, Verlust der Alterungsrückstellung). Vorausgesetzt er deckt die gleichen Leistungen ab.

>> Selbstbeteiligung: Das ist das Pendant zu den Zuzahlungen bei den gesetzlichen Kassen - nur viel individueller vereinbar. Es ist ein beliebtes Instrument zur Beitragssenkung, denn wer selbst Kosten übernimmt, bekommt einen Beitragsnachlass vom Versicherer. Doch Vorsicht: Angestellte fahren mit einem höheren Selbstbehalt nicht immer günstiger. Bei ihnen zahlt der Arbeitgeber zwar die Hälfte des Beitrags, aber nicht des Selbstbehalts mit. Faustformel: Günstiger ist ein Selbstbehalt nur dann, wenn die jährliche, maximale Selbstbeteiligung geteilt durch zwölf (Monate) zusammen mit der Hälfte des Beitrags günstiger ist als der alte Beitrag (Arbeitnehmeranteil) ohne Selbstbeteiligung. Selbstständige sparen eher, weil sich der Beitragsunterschied mangels Arbeitgeberbeteiligung bei ihnen voll auswirkt.

>> Auslandsreise: Der Krankenschutz reist bei gesetzlich Versicherten nicht immer mit. Ins Gepäck gehört daher eine private Auslandsreisekrankenpolice. Nicht selten sind Jahrespolicen preiswerter als Tagespolicen. Privatversicherte haben ohnehin weltweiten Schutz. Doch Vorsicht: Private Zusatzpolicen enthalten nicht unbedingt den vollwertigen Auslandsschutz! Die Preise liegen laut der Fachleute von FSS-Online zwischen fünf und zehn Euro für Singles, zwischen 14 und 30 Euro für Familien mit zwei Kindern.

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