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17.04.2003

16:00 Uhr

Kritik an Österreich

Mögliches Lager mit Saharatouristen entdeckt

Die algerischen Behörden haben nach Medienberichten Kontakt mit den mutmaßlichen Entführern der vermissten Sahara-Touristen und verhandeln über deren Freilassung.

HB/dpa WIEN/BERLIN/ALGIER. Beduinen hätten die Entführer mit elf der verschollenen Touristen beim Verlassen eines Lagers beobachtet, berichtet das österreichische Nachrichtenmagazin "Profil". Die 15 deutschen Vermissten seien von den übrigen Geiseln getrennt worden.

Das Auswärtige Amt wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Auch nach der regulären Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt am Donnerstag drangen keinerlei Einzelheiten über den mysteriösen Fall an die Öffentlichkeit. Forderungen mutmaßlicher Geiselnehmer wurden ebenfalls bislang nicht bekannt. "Wir schließen nichts aus", bekräftigte ein AA-Sprecher. Von offizieller Seite wird in allen beteiligten Staaten eine Entführung weiterhin nur als ein mögliches Szenario über den Verbleib der Touristen bezeichnet.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete unterdessen, die Bundesregierung sei zutiefst verärgert über die Informationspolitik der österreichischen Behörden. Trotz einer Absprache, keine Details aus der Fahndung nach den vermissten 31 Abenteuerurlaubern zu veröffentlichen, hatte die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner vergangene Woche nach einem Besuch in Algerien berichtet, es gebe eine Nachricht der Entführten in der Wüste.

Die deutschen Sicherheitsbehörden fürchteten nun, dass die Entführer sich nach dieser Indiskretion an ihren Geiseln rächen könnten, berichtete der "Spiegel". Innenminister Otto Schily, der zuvor nach Algier gereist war, hatte sich jeder Stellungnahme enthalten. Allerdings bekräftigte sein Ministerium am Donnerstag, es gebe weiter Hoffnung darauf, dass die Vermissten am Leben seien, wie es Schily bereits am vergangenen Samstag gesagt habe.

Unter den 31 Wüstenurlaubern sind neben den Deutschen zehn Österreicher, vier Schweizer, ein Schwede und ein Niederländer. Laut "Profil" sei es lange geübte Praxis der algerischen Behörden, Geiselnehmern keine Zugeständnisse zu machen. Dass in diesem Fall dennoch Gespräche über mögliche Bedingungen für eine Freilassung der Geiseln geführt werden, sei auf die große internationale Aufmerksamkeit zurückzuführen, die das Verschwinden der 31 Touristen ausgelöst hat. Seit Wochen sind Spezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor Ort, um Algerien bei der Suche nach den Verschollenen zu helfen.

Trotz des ungewissen Schicksals der verschollenen Sahara- Touristen lassen sich ausländische Urlauber anscheinend nicht von Reisen in den Süden Algeriens abschrecken. Bis zum 15. April seien mehr als 110 Ausländer mit dem Flugzeug in Tamanrasset gelandet, um Ausflüge in das Hoggar-Gebirge zu unternehmen, schrieb die algerische Tageszeitung "L'Expression" (Donnerstagsausgabe). "Wir bleiben hier, bis es in Frankreich etwas wärmer ist", sagte einer der französischen Urlauber, der zu einer Gruppe von Fahrradfahrern gehörte.

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