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02.05.2003

14:00 Uhr

Kritiker fordern drastischen Kapazitätsabbau

Swiss plant neue Tochter

Die mit Kosten- und Ertragsproblemen kämpfende Schweizer Fluggesellschaft Swiss will bei den Löhnen zehn Prozent einsparen und das regionale Fluggeschäft zum Herbst in eine neue Tochterfirma namens "Swiss Express" ausgliedern.

Reuters BASEL. Um im europäischen Regionalflugverkehr mit der neuen Tochterfirma gegenüber anderen Billig-Airlines konkurrenzfähig zu sein, sollen die Kosten in diesem Bereich um 20 Prozent gesenkt werden, teilte Swiss am Freitag weiter mit. Swiss Express soll mit dem Winterflugplan 2003/2004 den Betrieb aufnehmen und für die Muttergesellschaft Swiss Zubringer- und Nischenflüge ausführen. Swiss selbst werde eine "Premium Airline" bleiben, sagte Swiss-Verwaltungsratspräsident Pieter Bouw am Freitag in Basel. Das sei die einzige Form, die zur Schweiz und ihrem Image passe.

Es gebe keine Pläne für eine weitere Netzwerk-Reduktion in diesem Sommer, erklärte Bouw. Für die bevorstehenden Sommermonate erwarte Swiss eine steigende Nachfrage und eine bessere Auslastung der Kapazitäten. Anpassungen bei den Kapazitäten im Mittel- und Langstreckenbereich seien deshalb frühestens auf den Winterflugplan 2003 nötig. Allerdings rechnet Swiss nun im Gegensatz zu früheren Wachstumsprognosen für 2003 mit einer Umsatzstagnation. schwarze Zahlen werden erst für 2005 erwartet.

Mit den nun vorgelegten Plänen geht Swiss wieder auf eine Struktur zurück, die bis zum Zusammenbruch der früheren Swissair galt. Diese hatte sich auf den Fernverkehr konzentriert und sich im Europageschäft weitgehend auf die damalige Basler Regionalfluggesellschaft Crossair und andere Fluglinien im angrenzenden Ausland abgestützt, an denen sich Swissair beteiligt hatte. Nach den Zusammenbruch der Swissair im Herbst 2001 wurde mit Milliardenhilfen des Bundes und der Banken aus der Crossair und Teilen der Swissair die Swiss gegründet.

Swiss leidet nach eigenen Angaben unter den Folgen der schwachen Konjunktur, des Irakkrieges und der in Asien umgehenden Lungenkrankheit SARS.

Kritiker halten die Fluggesellschaft gemessen an dem relativ kleinen Schweizer Markt für zu gross und fordern einen drastischen Kapazitätsabbau.

Die Swiss rechnet dieses Jahr mit einem Verlust und will im nächsten Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Die herumgebotene Zahl, wonach Swiss im ersten Quartal einen Verlust von 300 Millionen sfr erwirtschaftet habe, sei aber deutlich zu hoch, hiess es auf der Medienkonferenz weiter.

Im Februar dieses Jahres kündigte Swiss ein Sparprogramm an, das die Stilllegung von 20 von damals 130 Maschinen und den Abbau von 700 Stellen vorsah. Geplante Flugzeugkäufe wurden verschoben.

Damit werde Swiss bis Jahresende eine halbe Milliarde sfr einsparen, wie der Verwaltungsratschef betonte. Das Management selbst wird sich die Löhne um 14 Prozent kürzen.

Inzwischen ist auch ein Kapitalschnitt geplant, der der Generalversammlung der nächsten Woche zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll.

Im Jahr 2002 kam Swiss, die im April den Betrieb aufnahm, bei einem Umsatz von rund 4,3 Milliarden sfr auf einem Verlust von 980 Millionen sfr. Das war weniger als ursprünglich bei der Gründung erwartet.

Die Swiss-Aktie zog an der Schweizer Börse um 0,64 sfr auf 4,05 sfr an. Der im breiten Publikum liegende Aktienanteil der Swiss ist marginal. Die meisten Aktien werden vom Bund mit 20 Prozent und den Grossbanken gehalten, die durch Stillhalteabkommen gebunden sind.

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