Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2002

13:39 Uhr

Kronprinz heiratet Argentinierin

Niederländische Traumhochzeit mit Hindernissen

An diesem Samstag will der niederländische Kronprinz Willem Alexander seine Verlobte, die Argentinierin Maxima Zorreguieta, heiraten.

afp DEN HAAG. Trotz aller Hindernisse wird es wohl eine Traumhochzeit von Format: An diesem Samstag will der niederländische Kronprinz Willem Alexander seine Verlobte, die Argentinierin Maxima Zorreguieta, heiraten. Das Interesse der Öffentlichkeit ist groß - neben der Oberliga des europäischen Adels haben sich mehr als 1 250 Journalisten aus 300 nationalen und internationalen Medien für die Berichterstattung angekündigt.

Nie zuvor ist eine königliche Verbindung in dem für seine Toleranz bekannten Land an der Nordsee auf so großen Widerstand gestoßen. Der 34-jährige Willem-Alexander musste sogar mit dem Thronverzicht drohen, ehe er die begehrte Heiratserlaubnis bekam. Wenn er seiner vier Jahre jüngeren Braut an diesem Wochenende in der "Nieuwe Kerk" (Neuen Kirche) von Amsterdam den Ring überstreift, wird ein Teil der niederländischen Öffentlichkeit nicht jubeln.

Grund ist der Vater der Braut: Jorge Zorreguieta, ein wohlhabender argentinischer Farmer, diente im Kabinett des argentinischen Militärdiktators Jorge Videla als Landwirtschaftsminister. In der Zeit der Militärherrschaft von 1976 bis 1983 wurden Zehntausende Argentinier ermordet. Offiziell gibt es zwischen Zorreguieta und den Bluttaten keine Verbindung. Dennoch wird der Ex-Minister in den Niederlanden dafür mit verantwortlich gemacht.

Die Ablehnung ging so weit, dass einige Niederländer gar die Abdankung des Thronfolgers forderten. Wie der Parlamentarier Jan Van Walsum dachten viele: Mit einem Vater wie diesem kann Maxima nicht Königin werden. Da die Verfassung indes die Zustimmung der Volksvertretung vorgab, einigten sich die Streithähne darauf, dass der künftige Schwiegervater des Prinzen von der Hochzeitsfeier ausgeschlossen bleibt.

Trotz Kompromisslösung blieb die bevorstehende Traumhochzeit auch in den vergangenen Tagen ein heißes Eisen. So stellte ein von der Regierung in Auftrag gegebenes Historiker-Gutachten heraus, dass Jorge Zorreguieta von den politischen Morden in seinem Land sehr wohl wusste. Der Prinz tat dies als bloße Einzelmeinung ab, was bei seinen Untertanen nicht gut ankam. Auch die Anwesenheit eines katholischen Würdenträgers mit mutmaßlichen Verbindungen zur argentinischen Militärjunta bei der Trauung stieß auf Ablehnung. Der Priester sei ein "fantastischer Mann" und auf geistiger Ebene "anregend", verteidigte Maxima Zorreguieta in einem Fernsehinterview die Einladung.

Die künftige Prinzessin hat den Niederländern ihre kritische Haltung nicht übel genommen und in den letzten Wochen eine Respekt abverlangende Heiterkeit an den Tag gelegt. Dass sie die argentinische Diktatur deutlich verurteilte, hat ihr Ansehen gesteigert. Mit energischem Gesicht und lebhaftem Blick gibt sie neben ihrem künftigen Gatten unbestritten eine gute Figur ab. Kein Wunder, dass sie die von der Presse ausgerufene "Schlacht um die Herzen" der 16 Millionen Niederländer längst gewonnen hat.

Für den Fall, dass einige unverbesserliche Gegner das Hochzeitsfest stören wollen, hat die Polizei strengste Sicherheitsvorkehrungen angekündigt. Die Vorsicht kommt nicht von ungefähr: Schon Maximas Schwiegermutter in spe, Königin Beatrix, musste bei ihrer Heirat im Jahr 1966 Rauchbomben von Protestlern ausweichen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×