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06.02.2001

20:33 Uhr

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Kronzeuge beschreibt bin Laden als Drahtzieher des Terrorismus

Ein Kronzeuge im New Yorker Terrorismus-Prozess hat am Dienstag den saudi-arabischen Millionär Osama bin Laden als wichtigsten Drahtzieher zahlreicher Anschläge gegen amerikanische Bürger und Einrichtungen im Ausland dargestellt. Bin Laden habe in Afghanistan militärische Ausbildungslager eingerichtet, in denen Terrorkommandos für Mordanschläge weltweit gedrillt würden, sagte Jamal Ahmed Al-Fadel aus.

dpa NEW YORK. Auf der Anklagebank in New York sitzen vier Araber, denen Beteiligung an den verheerenden Bombenanschlägen auf zwei US-Botschaften in Ostafrika im August 1998 vorgeworfen wird.

Die Identität des Kronzeugen war bis zu dessen Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft im US-Bundesgericht in Manhattan geheim gehalten worden. Erst zu Beginn der Befragung wurde sein Name bekannt gegeben. Al-Fadel soll ein Schwager bin Ladens sein und Ende der 80er Jahre zu dessen Organisation "Al Qaeda" (Das Fundament) gestoßen sein. Er selbst will in einem Lager in Afghanistan eine militärische Ausbildung erhalten haben.

Bin Laden habe für die Gruppe "Al Qaeda" anfangs vor allem frühere Mitglieder des afghanischen Widerstandes gegen die sowjetischen Besatzer rekrutiert. Nach dem Abzug der Russen habe er sie auf einen "heiligen Krieg" gegen Amerika eingeschworen. Die Aussage Al-Fadels, der in den nächsten Wochen immer wieder zu Einzelaspekten befragt werden könnte, verdeutlicht nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, dass bin Laden der Kopf einer internationalen Verschwörung zur Ermordung von Amerikanern ist.

Staatsanwalt Paul W. Butler sagte, die Sprengstoffanschläge gegen die US-Vertretungen in Kenia und Tansania seien Teil dieser "anhaltenden terroristischen Verschwörung" gewesen. Bei den Anschlägen auf die Botschaften waren vor zweieinhalb Jahren 224 Menschen getötet worden, unter ihnen 12 Amerikaner.

Nach US-Medienberichten hat sich der Kronzeuge seinerzeit samt seiner Familie aus Angst vor der Rache bin Ladens in die USA abgesetzt, nachdem er dessen Organisation Geld gestohlen hatte. Er soll persönlich Zugang zu bin Laden gehabt haben und in Terroranschlägen verwickelt gewesen sein. Der Mann sei dafür in den USA verurteilt worden, habe seine Strafe jedoch im Rahmen einer Kronzeugen-Regelung nicht antreten müssen.

Die Verteidiger der vier angeklagten Araber räumten in ihren Eröffnungsplädoyers am Montag zwar teilweise eine Mitschuld ihrer Mandaten ein, stellten diese aber als unbedeutend dar. "Die Geschworenen werden erkennen, wie fragwürdig es ist, die Todesstrafe für die unwichtigsten Figuren in dieser Verschwörung zu fordern", erklärte Anwalt David A. Ruhnke.

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