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05.02.2003

12:31 Uhr

Künast weiter gegen Preisdumping

Magere Jahre für deutsche Bauern

Den deutschen Bauern steht nach deutlichen Einbußen ein noch magereres Jahr bevor. Das prognostizierte Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) in ihrem Agrarbericht 2003, den sie am Mittwoch in Berlin vorlegte. Als einen Hauptgrund nannte sie den Preisverfall für Schweinefleisch.

HB/dpa BERLIN. Trotz des Machtworts von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) kündigte sie an, weiter gegen Preisdumping bei Lebensmitteln ankämpfen zu wollen. Union und FDP sehen die rot-grüne Agrarwende gescheitert. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) rief die Bauern zum Widerstand auf.

"Ich bin bereit, schamlos Bündnisse zu schließen", sagte die Ministerin zum Thema Preisdumping. Dafür brauche man aber "die Geduld eines Marathonläufers". "Billig, billig" sei nicht ihr Ziel. Schröder zufolge sollen der Markt und der Verbraucher entscheiden. Er lehnte Künasts Vorschlag ab, so genannte "Schnäppchen"-Angebote zu stoppen.

Der Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe ging im abgelaufenen Wirtschaftsjahr (Juli 2001 bis Juni 2002) durchschnittlich um 6,6 % auf 33 593 ? zurück. Im laufenden Jahr rechnet Künast sogar mit einem Rückgang von 15 bis 20 %. In den beiden vorangegangenen Jahren hatte es noch Gewinnsteigerungen von 19,4 und 14,8 % gegeben. Wie andere Wirtschaftszweige leide die Landwirtschaft unter der schlechten Konjunkturlage, sagte Künast.

Auch das Höfe-Sterben geht weiter. Von rund 395 000 landwirtschaftlichen Betrieben schlossen rund 4 %. Die Zahl der haupt- oder nebenberuflich in der Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte nahm um 3,9 % ab. Die Bauern mussten insbesondere mehr Geld für Personal, Futter für Rinder und Pflanzenschutzmittel ausgeben. Höhere Erlöse erzielten sie hingegen für pflanzliche Produkte wegen der sehr guten Ernte 2001.

Bei der Einkommensentwicklung erging es den ostdeutschen Bauern wesentlich besser als ihren westdeutschen Kollegen. Das Durchschnittseinkommen der Landwirte sank um 6,1 % auf 21 763 ? im Jahr. Hingegen stiegen die Einkommen in den ostdeutschen Ländern um 7,6 %. Als Ursache nannte Künast, dass in den neuen Ländern die Schweinhaltung eine geringe Rolle spiele.

Die ökologische Landwirtschaft befindet sich nach Künasts Worten in stetiger Aufwärtsentwicklung. Die Zahl der Öko-Betriebe stieg im Vergleich zum Vorjahr um 15,4 % auf 14 700, die bewirtschaftete Fläche mit rund 644 000 Hektar um 16,3 %. Insgesamt werden aber nur 3,3 % der Bauernhöfe und 3,7 % der Fläche ökologisch bewirtschaftet. Die Ertragslage der Öko-Betriebe entwickelte sich ähnlich wie die der konventionellen Betriebe. Eine schwere Krise war die Nitrofen-Belastung von Futter und Lebensmitteln.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) unterstützte Künast und mahnte, für die Verbesserung von Tierhaltung und Umweltschutz gebe es auf den Höfen immer weniger Reserven und weniger Bereitschaft. Die Niedrigpreise für Fleisch, Milch und Gemüse bei Großhandelsketten führe bei den Bauern zu Massenproduktion, um Verluste aufzufangen.

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