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27.01.2007

10:29 Uhr

Um die Höhe der Abfindung wird gefeilscht wie auf dem Basar, oft haben Mitarbeiter unrealistische Erwartungen, zumal es nur in Ausnahmefällen einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt. Gute Argumente sind die Beschäftigungsdauer, das Lebensalter, der Familienstand und der Verlust einer möglichen betrieblichen Altersversorgung.

Wen nach dem erzwungenen Ausstand die Arbeitslosigkeit erwartet, der muss mit dem Geld auch die niedriger als erwarteten Anwartschaftszeiten der gesetzlichen und unter Umständen auch der betrieblichen Rente oder eines Versorgungswerkes ausgleichen. Zusätzlich zur finanziellen Lücke, die Monat für Monat zwischen Arbeitslosengeld und Fixkosten nebst Krankenversicherung klafft. Beim Thema Abfindungspoker ist gerade für gut Verdienende ein Beratungshonorar für Anwalt oder/und Steuerberater sinnvoll angelegtes Geld.

Vier Beispiele:

Das Arbeitsamt definiert den goldenen Handschlag so: Jemand hat sich die Zustimmung zu seiner Kündigung gegen Geld abkaufen lassen. Und wer ohne gewichtigen Grund sein Arbeitsverhältnis freiwillig löst, bekommt generell die ersten zwölf Wochen nach dem Abschied kein Arbeitslosengeld - dann gilt die berüchtigte Sperrfrist vor der ersten Zahlung.

Zu warnen ist vor allem vor dieser Variante: Der Mitarbeiter akzeptiert eine verkürzte Kündigungsfrist des Arbeitgebers und bekommt im Gegenzug für die entfallenden Gehälter eine höhere Abfindung. Dann gilt für ihn die so harmlos klingende Ruhezeit beim Arbeitslosengeld. Ruhe hat er dann nur auf dem Konto, denn nach einer komplizierten Rechnung wird dann bis zu einem Jahr lang die Abfindung auf sein Arbeitslosengeld angerechnet. Arbeitsamtsexperte Schader verweist auf eine juristische Chance: "Das ist ein schwieriges Einzelfallthema, aber das Bundessozialgericht hat vor Kurzem den Spielraum erweitert und unter bestimmten Umständen die Sperrfrist in diesem Fall aufgehoben."

Manche Unternehmen, die auf Biegen und Brechen Personal einsparen wollen, wählen gern auch halbseidene Varianten, bei denen der Staat ahnungslos hilft, den Arbeitsplatzverlust des Mitarbeiters finanziell abzufedern. Dafür einigen sich Mitarbeiter und Unternehmen vor der Kündigung inoffiziell auf eine höhere als sonst übliche Abfindung, wenn der Mitarbeiter im Gegenzug auf die Möglichkeit verzichtet, gegen die Kündigung vor Gericht zu ziehen. Daraufhin wird die Kündigung ausgesprochen. Um dem Arbeitsamt zu signalisieren, dass er nicht freiwillig ausscheidet, erhebt der Mitarbeiter Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht. Dort einigen sich Firma und Mitarbeiter beim ersten Gütetermin auf die vorher abgesprochene Abfindung. Die Prozedur dauert oft nur wenige Minuten, nicht selten einigen sich die Anwälte der beiden Seiten gegenüber dem Gericht gar per E-Mail. Das Verfahren läuft zigtausend Mal im Jahr in Deutschland so ab und ist rechtlich wasserdicht.

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