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09.01.2002

19:00 Uhr

Künftig fürs weltweite Marketing verantwortlich

Reitzles Einfluss bei Ford wächst

Der ehemalige BMW-Manager Wolfgang Reitzle beschränkt sich bei Ford künftig nicht mehr auf die Leitung der Luxussparte PAG: Der US-Autokonzern hat ihm zum Jahreswechsel auch die Führung des weltweiten Marketings übertragen. Als PAG-Chef will er Ford bald zum ernsten Konkurrenten von BMW und Mercedes machen.

zel DETROIT. Wolfgang Reitzle hat seiner Bedeutung im gesamten Ford-Konzern deutlich gestärkt: Seit dem 1. Januar ist der deutsche Manager auch für das weltweite Marketing des zweitgrößten amerikanischen Automobilkonzerns zuständig. Der "Group Vice President" bekommt damit auch eine zentrale Aufgabe für das gesamte Fahrzeug-Spektrum des Unternehmens aus Dearborn bei Detroit.

Bisher beschränkte sich seine Aufgabe bei Ford auf die Leitung der Luxussparte "Premier Automotive Group" (PAG) , in der die US-Marke Lincoln sowie die europäischen Ford-Töchter Volvo, Jaguar, Aston Martin und Land Rover zusammengefasst sind. Reitzle soll PAG zu einem ernsthaften Konkurrenten von Mercedes und BMW aufbauen und ähnlich wie bei den beiden süddeutschen Konkurrenten das jährliche Produktionsvolumen auf mehr als eine Million Fahrzeuge steigern. Der Automobilmanager war 1999 von BMW zu Ford gewechselt.

"Mein Einfluss im Ford-Konzern nimmt sicherlich nicht ab", bewertete Reitzle seine zusätzliche Aufgabe gegen über dem Handelsblatt auf der Detroit Motor Show. Auch als PAG-Chef sieht er seine Bedeutung bei Ford wachsen. "Die PAG spielt eine immer wichtigere Rolle", sagte der Automanager. Über steigende Erträge, Umsatz und Absatz gehe es mit der Ford-Luxussparte fast zwangsläufig weiter aufwärts.

Reitzle nennt klare Ziele: Die PAG-Marken sollen nicht nur pro Jahr zusammen mehr als eine Million Autos produzieren, im Moment sind es etwa 850 000. "Auch acht Prozent Vorsteuerrendite sollten eines Tages möglich sein", sagte der Ford-Manager - ähnlich wie bei Mercedes und seinem früheren Arbeitgeber BMW. Allein würden die einzelnen PAG-Marken lediglich auf Renditewerte zwischen 4 und 5 % kommen. Reitzle machte keine Angaben zur aktuellen Renditesituation, aber nach Branchenschätzungen ist die PAG noch um einiges von der Acht- Prozent-Marke entfernt.

Reitzles Schlüsselwort lautet Synergie. Durch die gemeinsame Verwendung von Bauteilen in der Produktion sollen die PAG-Marken die Kosten kräftig nach unten drücken. Im Herbst vergangenen Jahres hat Ford die drei britischen Töchter Jaguar, Aston Martin und Land Rover noch einmal zusätzlich in einer eigenen Untergruppe gesondert zusammengefasst. Reitzle sagt dazu, dass eine solche zusätzliche Gruppierung auf der Hand lag. Die drei britischen PAG-Marken sind alle der in Region Birmingham zu Hause.

Allein die Töchter von der britischen Insel sollen in den kommenden Jahren Dollar-Beträge in dreistelliger Millionhöhe durch eine stärkere Zusammenarbeit sparen. Ford hatte die Marken nach und nach aufgekauft, vor zwei Jahren war zuletzt der Geländewagen-Hersteller Land Rover dazu gekommen. Auch die schwedische Marke Volvo soll intensiv mit den englischen Ford-Töchtern kooperieren.

Für die gesamte PAG-Gruppe peilt Reitzle künftig Einsparungen in Milliardenhöhe an. In fünf Jahren rückt ein Ertrag von 1 Mrd. $ in den Bereich des Möglichen. Reitzle glaubt, auf Stellenstreichungen weitgehend verzichten zu können. "Ich werde niemanden entlassen", erklärte er. Produktivitätssteigerungen sollen durch ein höheres Absatzvolumen wettgemacht werden.

Nach Angaben Reitzles wird die PAG-Gruppe nur an einem Punkt von den aktuellen Sparmaßnahmen des gesamten Ford-Konzerns betroffen: Das Entwicklungsprogramm für eine neue Lincoln-Fahrzeugreihe (zusammen mit der amerikanischen Schwestermarke Mercury) muss aus Kostengründen zusammengestrichen werden. Bei den europäischen PAG-Töchtern seien keine Einschnitte zu erwarten. "Das ist alles gesichert, weil selbst finanziert", sagt Reitzle. Am heutigen Freitag will der Ford-Konzern sein lange erwartetes Restrukturierungsprogramm verkünden. Nach Verlusten von etwa 2 Mrd. $ im Jahr 2001 muss das Unternehmen in Nordamerika Werke schließen und wahrscheinlich Tausende von Mitarbeitern nach Hause schicken.

Lincoln und Mercury stand in den letzten Jahren ein Entwicklungsprogramm über mehr als 2 Mrd. $ zur Verfügung. "Jetzt müssen wir sparen", erläutert Reitzle die Auswirkungen des Sparkurses. Im Moment werde intern untersucht, wie die Entwicklung neuer Lincoln- und Mercury-Modelle kostengünstiger erreicht werden könne.

Bei der Entwicklung neuer Modelle auf der europäischen PAG-Seite soll es keine Abstriche geben. Eine zentrale Rolle spielt dabei die schwedische Marke Volvo, deren jährliches Produktionsvolumen Reitzle künftig kräftig steigern will. Dazu gehört eine weitere Auffächerung des Modellprogramms: In gut drei Jahren wird es den ersten kleinen Volvo im Format eines VW Golf geben.

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