Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2001

19:23 Uhr

Künftig reiner Mobilfunknetzbetreiber unter dem Dach von BT-Wireless – Eon trennt sich von 45-Prozent-Anteil

Viag Interkom spaltet Festnetzsparte ab

VonDonata Riedel

Nach dem Ausstieg von Eon und Telenor wird die British Telecom ihre Tochter Viag Interkom aufteilen. Der Mobilfunk und das Festnetzgeschäft kommen unter das Dach der jeweiligen BT-Spartengesellschaften. Festnetz-Angebote für Privatkunden wird es von Viag Interkom nicht mehr geben.

BERLIN. Der Energiekonzern Eon hat gestern seinen 45-%-Anteil an dem Münchner Telekomunternehmen Viag Interkom GmbH & Co. an die British Telecom Plc. (BT) übergeben. Die Transaktion, der die EU-Kommission noch formal zustimmen muss, wird voraussichtlich Mitte Februar abgeschlossen. Das gaben Eon, Düsseldorf, und BT, London, gestern bekannt.

Den Verkauf der Anteile für 7,25 Mrd. Euro hatten die beiden Unternehmen bereits am 16. August prinzipiell vereinbart: Als sich abzeichnete, dass die UMTS-Mobilfunklizenz mit am Ende 16,4 Mrd. DM sehr viel mehr als die eingeplanten 10 Mrd. DM kosten werde, kündigte die Eon AG ihren Ausstieg an. Neben dem Kaufpreis für den 45-%-Anteil bekommt der Energiekonzern ein Gesellschafterdarlehen von 4,15 Mrd. Euro zurückgezahlt, das er Viag Interkom für die UMTS-Auktion zur Verfügung gestellt hatte.

BT wird bis Ende Januar für weitere 1,61 Mrd. Euro den noch ausstehenden 10-%-Anteil an Interkom übernehmen, der von der norwegischen Telefongesellschaft Telenor gehalten wird. Ab Mitte Februar wird Viag Interkom damit zu 100 % eine Tochtergesellschaft von British Telecom sein. Dann ist für BT der Weg frei, die Aktivitäten in Deutschland in die eigene neue Struktur aus mehreren künftig börsennotierten Spartenunternehmen einzugliedern.

Ein BT-Sprecher sagte dem Handelsblatt, dass Mobilfunk und Festnetz auseinander dividiert und in die jeweilige BT-Spartengesellschaft eingebracht würden. Wie Maximilian Ardelt, Vorstandsvorsitzender von Viag Interkom, dem Handelsblatt weiter erläuterte, wird bei der Münchner Viag Interkom zunächst das von Werner Fraas verantwortete Festnetzgeschäft in eine eigene GmbH ausgegründet. Die Trennung von Mobilfunk und Festnetz sei kein großes Problem. Bereits Anfang 2000 habe sich Viag Interkom im Festnetzgeschäft auf Geschäftskunden fokussiert und nicht länger in das Privatkundengeschäft investiert. Festnetz und Mobilfunk würden seither getrennt operieren. Für die 6 000 Beschäftigten werde sich kaum etwas ändern. Im Jahr 2000 hatte das Festnetzgeschäft einen Anteil von gut 20 % am Umsatz von 3 Mrd. DM. Neben der Trennung des operativen Geschäfts muss jetzt auch die Nutzung des Glasfaser-Fernnetzes, das ursprünglich als einheitliches Netz für beide Sparten konzipiert worden war, neu über Serviceverträge für die Festnetz GmbH geregelt werden.

Nach der Abspaltung soll das deutsche Festnetzgeschäft in die BT-Tochter Ignite eingegliedert werden, an deren Struktur BT noch arbeitet. Unklar ist ebenfalls, wie weit die Parallelgeschäfte von Ignite und Concert, eines Joint Ventures von BT und AT&T, das sich ebenfalls an Geschäftskunden wendet, zusammen geführt werden. Manager von Viag Interkom vermuten, dass aus diesen Gesellschaften irgendwann eine weltumspannende Breitband-Festnetzgesellschaft für Unternehmenskunden entstehen wird. Dies entspräche jedenfalls der industriellen Logik.

Derzeit befinden sich allerdings sowohl BT als auch AT&T in schwierigen Umstrukturierungsprozessen. So ist weder von BT noch von AT&T bekannt, wie sie das Joint Venture Concert und ihre jeweiligen anderen Geschäftskundensparten weiterführen wollen.

Viag Interkom selbst wird künftig unter dem Dach von BT Wireless eine reine Mobilfunkgesellschaft sein. BT gibt seinen europäischen Mobilfunkbeteiligungen damit die gleiche Struktur wie die Konkurrenten Vodafone und Deutsche Telekom, die beide unter dem Dach einer internationalen Holding die selbstständig agierenden Landesgesellschaften versammeln.

Wie bei Vodafone wird es auch bei BT Wireless einen "European Board" geben, in dem die Chefs der Landesgesellschaften vertreten sind und die noch zu entwickelnden Europaprodukte abgestimmt werden. Das Mobilfunkunternehmen Viag Interkom wird weiter von Ardelt geleitet, der mit dem Ausstieg von Eon alle Funktionen bei dem aus Veba und Viag fusionierten Konzern niederlegt.

Viag Interkom erfährt so eine komplette Neuorientierung. In den liberalisierten Telekommunikationsmarkt war das Unternehmen noch mit der Erwartung gestartet, dass Festnetz und Mobilfunk zusammenwachsen würden. Die Entwicklung verlief jedoch genau entgegengesetzt: Überall werden heute Festnetz und Mobilfunk getrennt - jetzt auch bei der Viag Interkom.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×