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07.04.2003

17:16 Uhr

Künftig soll es eine Regionalversammlung geben

Korsen stimmen über neuen Status ab

Bei einer Volksabstimmung am 6. Juli sollen die Bewohner von Korsika über einen neuen Status der französischen Mittelmeerinsel abstimmen. Die "Kraft" der Reform werde darin liegen, dass sie "von den Bürgern, der korsischen Gesellschaft" beschlossen werde, warb Premierminister Jean-Pierre Raffarin am Montag vor den korsischen Abgeordneten in der Inselhauptstadt Ajaccio.

vwd AJACCIO. Korsika habe die Chance, bei der von ihm betriebenen Dezentralisierung Frankreichs eine Pionier-Rolle zu übernehmen, fügte der Regierungschef hinzu.

Künftig soll es eine korsische Regionalversammlung mit 81 Abgeordneten geben. Die Unterteilung in zwei Generalräte entfällt. "Wer für den neuen Status stimmt, stimmt für ein modernes Korsika in einer Republik, die sich für die Dezentralisierung entschieden hat", sagte Raffarin. Die Pariser Regierung wolle mit ihrem Plan eine Strategie "für Entwicklung und Frieden" auf den Weg bringen, sagte Innenminister Nicolas Sarkozy, der sich mit dem Premierminister in Ajaccio aufhielt. Zugleich betonte Sarkozy, die Verfolgung korsischer Attentäter werde fortgesetzt, bis "der letzte festgenommen" sei. Seit Anfang Januar wurden bereits 50 Sprengstoff-Anschläge verübt.

Der Bürgermeister von Bastia, Emile Zuccarelli, kündigte an, er werde mit "nein" stimmen, wenn das Reformprojekt nicht noch verändert werde. Bastia muss einen Verlust an Bedeutung fürchten, wenn die Rolle Ajaccios als Inselhauptstadt gestärkt wird. Wenn der neue Status Korsikas bei der Volksabstimmung angenommen wird, soll er durch ein Gesetz im Herbst in Kraft treten.

Insgesamt leben auf der Insel rund 260 000 Einwohner. Zehntausende Korsen haben sich wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der internen Konflikte auf dem französischen Festland niedergelassen. Das Pariser Parlament hatte Mitte März eine Verfassungsänderung für eine Dezentralisierung Frankreichs beschlossen. Korsika gehört seit mehr als zwei Jahrhunderten zu Frankreich, hat aber ein starkes eigenes Gepräge behalten. Radikale Nationalisten kämpfen seit mehr als 25 Jahren mit Waffengewalt für die Unabhängigkeit der Insel von Frankreich

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