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13.02.2002

19:00 Uhr

Künftiger Präsident der Finanzmarktholding Spaniens

Antonio Zoido: Der stille Modernisierer

VonSilke Kersting

Er wird am Freitag zum neuen Chef aller spanischen Börsen gekürt. Zoido soll den Finanzplatz international stärken. Die Deutsche Börse gilt als Kandidat für eine Kooperation.

MADRID. Still und leise, so wie es für die meisten Spanier eigentlich ganz untypisch ist, arbeitet sich Antonio Zoido an neue Aufgaben heran. Zwar gilt der Präsident der umsatzstärksten spanischen Börse Madrid bereits seit längerer Zeit als Anwärter auf den Chefsessel der neuen Finanzmarktholding Spaniens. Auf Nachfragen reagierte er jedoch stets äußerst zurückhaltend. "Da gibt es auch noch andere Kandidaten", merkte der 57-Jährige lediglich an. Doch dass Zoido am Freitag zum Präsidenten der frisch gegründeten Bolsas y Mercados Españoles S.A. gekürt wird, daran bestehen in Madrider Finanzkreisen keinerlei Zweifel.

Bislang ist Zoido unter seinen europäischen Kollegen nicht gerade als Börsenchef mit großen Expansionsgelüsten aufgefallen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die spanische Börsenlandschaft sehr zerstückelt ist. Da gibt es die Börsen Madrid, Barcelona, Bilbao und Valencia, die Anleihemärkte Aiaf und Senaf, die Terminbörse Meff, den Terminmarkt für Zitrusfrüchte und die Clearingstelle Iberclear. Sie alle werden jetzt unter dem Dach der neuen Holding vereint.

In Zukunft dürfte also auf internationalem Parkett mehr von Zoido zu erwarten sein. Der immer etwas ernst wirkende, im spanischen Zafra bei Badajoz geborene Jurist hat bereits erkennen lassen, dass das prachtvolle Börsengebäude an der Plaza de Lealtad im Herzen Madrids nicht abseits der künftigen Entwicklung in Europa stehen darf. Die Vorstellung, die spanische Börse könnte sogar ein Übernahmekandidat für einen der großen Konkurrenten aus London, Frankfurt oder Paris sein, behagt ihm ganz und gar nicht.

In Spanien genießt Zoido den Ruf eines Modernisierers. Nach einigen Jahren bei einer Brokergesellschaft wechselte er in den Vorstand der Börse Madrid. Anfang 1993 rückte der Freund schöner Kunst an die Spitze der fünftgrößten Börse der EU. Seitdem hat er konsequent daran gearbeitet, das iberische Land für den zunehmenden Wettbewerb in der europäischen Finanzszene fit zu machen.

Die neue Holding bringt ihn zumindest auf dem Weg zu mehr Größe ein gutes Stück voran. Sein nächster Schritt steht bereits fest: Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2003, will er die Holding an die Börse bringen.

Mitarbeiter beschreiben ihren eher kleinen, mittlerweile ergrauten Chef als jemand, der Entscheidungen erst nach langem Abwägen trifft. Wenn er nicht gerade unterwegs ist - Zoido ist derzeit Vorsitzender der weltweiten Börsenvereinigung International Federation of Stock Exchanges (FIBV) - arbeitet er rund zwölf Stunden täglich in seinem Büro, das er selbst nicht unbescheiden als "Zeuge des spektakulären Wandels des spanischen Finanzmarkts" bezeichnet.

Zoido, verheiratet, drei Kinder, gilt als Teamarbeiter, der viel Vertrauen in seine Mannschaft setzt. Er ist alles andere als ein Haudrauf: Im persönlichen Gespräch wirkt der Finanzmann mit einem Faible für Country-Musik und Gartenarbeit zurückhaltend, bei Vorträgen in der Öffentlichkeit oftmals sogar leicht gehemmt.

Am nötigen Selbstbewusstsein mangelt es ihm dennoch nicht. Er ist davon überzeugt, dass Madrid den Vergleich mit den führenden europäischen Börsenplätzen nicht zu scheuen braucht. Druck, sich mit einem anderen Börsenplatz zusammenzuschließen, verspürt Zoido bislang nicht, wenigstens nicht offiziell. Er gibt aber zu, "alle Entwicklungen mit großem Interesse zu beobachten".

Zoido spricht mehrere Fremdsprachen, auch deutsch: Vielleicht scheint ihm aus diesem Grund eine bislang nicht näher definierte Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse zu gefallen. Schon der vor zwei Jahren von Frankfurt und London geplanten Superbörse IX hatte sich Madrid anschließen wollen; ein Anschluss an die mittlerweile aus vier Ländern bestehenden Börse Euronext war dagegen bislang keine Option.

"Nein mit dem deutschen Börsenchef Werner Seifert unterhalte ich mich auf englisch", bemerkte Zoido vor kurzem, um zumindest offiziell die Distanz zum Frankfurter Finanzplatz zu signalisieren. Doch Seifert hat mit der Annäherung offenbar weniger Probleme als sein eher leise agierender Kollege. "Im Fall Spanien", ließ er sich erst Anfang der Woche entlocken, "können wir vielleicht in Kürze etwas ankündigen".

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