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24.01.2003

08:29 Uhr

Kunden sorgen sich um die Finanzkraft des neuen Eigentümers

Sanierer kämpft mit Gerling-Altlasten

VonHolger Alich und Rita Lansch (Handelsblatt)

Mit zuletzt sechs Milliarden Euro Prämieneinnahmen pro Jahr war das Rückversicherungsgeschäft von Gerling die Nrummer sechs in der Welt. Der neue Eigner, Achim Kann, will als Einzelkämpfer die riesige Abwicklung, den so genannten Run off, stemmen. Nur wenige Erstversicher stimmten bisher der Vertragauflösung zu. Kann riskiert auch eigenes Geld.

KÖLN. Der neue Eigentümer der Gerling Konzern Globalen Rückversicherungs-AG (GKG), Achim Kann, kommt nur langsam mit der Abwicklung des Rückversicherers voran. Bislang haben erst zwei deutsche Großkunden ihre Verträge zurückgenommen: Es sind die beiden Versicherungsgruppen VHV und DEVK, sagt Kann in einem Handelsblatt-Gespräch. Er erwartet aber, bereits in den nächsten Wochen das Lebensrückversicherungsgeschäft verkaufen zu können.

Seit Dezember wird die angeschlagene Rückversicherungsgruppe von Gerling im größten so genannten "Run off" der Welt abgewickelt. Das heißt, die Gesellschaft schließt keine neuen Verträge mehr ab und versucht, die alten abzulösen. Dazu bietet Kann den Kunden einen Teil des für ihre Verträge in der Bilanz zurückgestellten Geldes an. Im Gegenzug müsste die GKG künftig keine Schäden mehr bezahlen. Die Aufhebung der Verträge mit der VHV und der DEVK brachte der Globalen einen Gewinn von 131 Mill. Euro. Der stärkt nun die Finanzkraft der Gesellschaft, sagt Kann.

Mit dem Eigentümerwechsel ist die Finanzkraft der nunmehr allein stehenden Rück-Gruppe in das Blickfeld von Kunden und Aufsichtsbehörde geraten. Sie fragen sich, ob die GKG ohne die Konzernverwandschaft zu den Gerling-Aktionären Rolf Gerling (65,5 %) und Deutsche Bank (35,5 %) noch in der Lage ist, die bestehenden Verträge zu erfüllen. Denn Rückversicherer als Versicherer der Erstversicherer haften in der Regel noch viele Jahrzehnte aus ihren Policen.

Um für die Zweifler ein Zeichen zu setzen und dem Eindruck entgegen zu wirken, er sei "bloß ein Strohmann", engagiert Kann sich jetzt auch mit seinem eigenen Geld. Der pensionierte Chef der Frankona-Rück will das Eigenkapital seiner beiden GmbH-Gesellschaften auf zusammen 250 000 Euro aufstocken (siehe Grafik). Diese haben die GKG de facto zum Jahreswechsel übernommen und verfügen bisher nur über die üblichen Mindest-Haftungssummen von jeweils 25 000 Euro. Dieses geringe Haftungskapital ist es, was Unruhe ausgelöst hat.

Einzelne Kunden - wie etwa Gothaer und Rheinland Versicherung - prüfen jetzt, ob nicht trotz des Eigentümerwechsels bei der Globalen der Gerling Konzern für die Verpflichtungen der GKG aufkommen muss. Das bestätigten Sprecher beider Unternehmen.

Spannend ist daher vor allem, ob die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Abgabe des Rückversicherers an Achim Kann genehmigen wird. Kann weiß, dass sich einige Kunden mit ihren Bedenken hinsichtlich des Haftungskapitals bereits an die Aufsicht gewandt haben. Die Bafin zeigt sich bislang zugeknöpft, weil die Prüfung noch läuft. Sie bestätigt aber, dass sie sich bis Anfang März entscheiden muss.

Die Behörde muss zwischen zwei Übeln wählen: Ihre Entscheidung bringt entweder den Gerling-Konzern oder dessen Rückversicherungs-Kunden in Schwierigkeiten. Würde die Herauslösung der GKG aus der Gerling-Konzernbilanz zum 1. Januar rückgängig gemacht, stünde nicht nur der erhoffte Gesamtverkauf des zweitgrößten deutschen Industrieversicherers auf der Kippe, sondern auch dessen Existenz. Für 2002 konnte der Konzern die Verluste der Globalen in Höhe von 300 bis 400 Mill. Euro noch ausgleichen. Doch das Fass hat längst keinen Boden mehr: "Wegen der schwachen Kapitalmärkte wird die Globale auch in diesem Jahr einen Verlust einfahren", erwartet Achim Kann.

Von der Genehmigung der Aufseher hängt auch ab, ob Kann mit der Abwicklung in anderen Märkten vorankommt. Sie sei richtungweisend für Aufsichtsbehörden in Großbritannien und den Vereinigten Staaten, wo die Probleme der GKG herrühren, sagt Kann. Vor allem die Policen in den USA brennen ihm unter den Nägeln: "In den USA forcieren wir die Ablösung mit den Kunden zurzeit, während wir in Deutschland keinen Druck ausüben", sagt Kann. Er räumt ein, dass die Verhandlungen mit den US-Kunden insgesamt schwieriger seien. Noch im Laufe des Januar will der dort für Kann tätige Abwicklungsspezialist Castlewood die erste Ablösung eines Großvertrages präsentieren.

Kann ist optimistisch, das Lebenrückversicherungsgeschäft in den nächsten Wochen verkaufen zu können. Investmentbanker würden an der Bündelung einzelner Angebote arbeiten. "Wenn wir das Geschäft verkaufen, dann nur als Ganzes", sagt er. Nach seinen Angaben erwirtschaftet das Lebenrückversicherungsgeschäft pro Jahr einen Gewinn von 40 Mill. Euro. Den Wert der Sparte beziffert er mit rund 500 Mill. Euro. Ein darunter liegendes Angebot habe er bereits abgelehnt.

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