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16.01.2007

13:31 Uhr

Kundeninitiative

Weltreisender Risikomanager

VonChrostoph Hardt

Wenn es einen Job gibt, der belegt, dass Versicherung längst globales Geschäft ist, dann der des Risikoingenieurs bei der Allianz. Seine Aufgabe: Vermeidung von Unglück. Eine Handelsblatt-Reportage.

MEDELLIN. Als der Hubschrauber, den die Allianz-Tochter Colseguros in Medellin gechartert hat, am Rande des Kraftwerks Termocentro niederschwebt, fallen zwei Dinge auf. Die Schlote, die nicht rauchen, und die halbe Hundertschaft Soldaten, die den Landeplatz und die Hügel rund um das staatliche Gasturbinen-Kraftwerk bewacht.

Die Stromversorgung ist ein Schwachpunkt Kolumbiens, die Guerilleros der „Farc“ sprengen bevorzugt Strommasten in die Luft. Und mitunter haben sie es auch auf das Gas abgesehen.

Schon von oben hat einer der zehn Passagiere ganz genau hingesehen. Er hat blonde Locken, ist groß gewachsen, man sieht ihm von weitem schon an, dass er nicht von hier ist. In Kolumbien nennen sie ihn „Doctor Rudiger“. Sein bürgerlicher Name ist Rüdiger Beauvais. Er stammt aus München und reist im Auftrag der Allianz. Seine Aufgabe: die Vermeidung von Unglück.

„Doctor Rudiger“ ist Risikoingenieur, ein Weltreisender in Sachen Risikomanagement, einer von weltweit 140 Mitarbeitern der Allianz Risk Consultants. Beauvais ist auf Südamerika-Tour, ein gutes Dutzend Stromfabriken hat er schon besichtigt. Hier Dampfturbinen von General Electric, da Gasturbinen von Westinghouse, mal ein japanisches Fabrikat, dann deutsche Wertarbeit.

Wenn es einen Job gibt, der belegt, dass Versicherung längst zu einem globalen Geschäft geworden ist, dann der des deutschen Ingenieurs mit den blonden Locken.

Beauvais hat früher für Alstom selbst Kraftwerke gebaut, seit acht Jahren schaut er für die Allianz überall auf der Welt nach dem Rechten. Seine Einheit ist Teil des neuen Industrieversicherers unter dem Dach der Allianz, der „Global Corporate and Speciality“ heißt und für die richtig großen Risiken verantwortlich ist, Kundschaft ab 500 Millionen Euro Umsatz aufwärts.

Kraftwerksspezialisten wie Beauvais sind besonders gefragte Leute. Denn der 11. September 2001 hat gezeigt, dass auch das vorher Undenkbare möglich ist, mit entsprechenden Folgen für die Versicherungswirtschaft: Milliardenschäden.

Seither hat das Qualitätsmanagement für den Umgang mit Gefahren aller Art eine ganz neue Qualität und Wertigkeit bekommen. Längst wissen Unternehmen und Versicherer, dass sie beide profitieren, wenn sie intelligent mit ihrem Risiko umgehen, Schäden im Vorfeld vermeiden, statt sie hinterher mühsam zu reparieren. Risikomanagement, das ist aber auch eine Frage von Vertrauen. Beauvais schaut dorthin, wo das Innerste eines Industriebetriebs zusammengehalten wird. So seziert er Notfallpläne, begutachtet Brandschutzsysteme, checkt Wartungspläne, prüft Turbinenschaufeln. Fragt man ihn hinterher, was er gesehen hat, ist der lustige Münchener die Einsilbigkeit in Person. „Dazu möchte ich nichts sagen.“

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